Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 474)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2951-2640325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
454 Grunwald, Mattersdorf. eine Probe seiner Unerschrockenheit ablegen. Man bringt die silberne Taharohkanne, füllt sie mit Wein, nachdem man den Tabarohkamm auf ihren Rand gelegt hat. Der Kandidat muß die Kanne auf einen Zug leeren.1) 70. Bei einer Chewrassude müssen alle Mitglieder brüderlich vereint sein. Absentiert sich ein Mitglied freiwillig vom - Mahle, so wird es zwangsweise ins Festhaus gebracht. Manchen holt man gewaltsam aus dem Bette. Während alle anderen weiße Schärpen oder Handtücher um die Brust geschlungen tragen, muß sich der Drückeberger eine Schärpe aus Stroh gefallen lassen. 71. An Simchas Thora wurde der Rabbiner früher nicht unter dem Hochzeitsbaldachin nach Hause begleitet, es gab dafür vielmehr einen eigenen Festbaldachin. Derselbe bestand aus dem Gerippe einer Pyramide, welches auf Stangen hochgehalten wurde. Die vier Seiten der Pyramide, sowie die Basis waren mit Tempelvorhängen bekleidet. Um den Rahmen der Basis wurden kleine Kapores angebracht, auf die Spitze der Pyramide eine Krone gesetzt. An den vier Winkeln waren wagrechte Stäbe angebracht, die mit kleinen Kle Kodesch verziert waren. 72. Am Schabbos Bereschis wurde auch Ledowid Boruch verkauft. Am Sukkoth wurde früher auch die Amido, d. i. das Mitschütteln des Lulows mit dem Vorbeter, versteigert. 73. Wurde der Row am Simchas Thora als Ghassan Thora aufgerufen, so wurde im „Echod Jochid" vor „wenaumar omen" vom Ghasen gesungen: „Der Rebbe hot geheißen lustig sein, Trinken Wein, lustig sein, Der Rebbe hot geheißen usw. 74. In der Synagoge wurden am Simchas-Thoraabend an die 1) Besonders feierlich war diese Aufnahme in den Gemeinden Ostgaliziens gehalten. Die Aufzunehmenden hatten sich einer Prüfung zu unterziehen. Sie wurden befragt, ab sie sich allen Pflichten der Ghewra unterziehen wollten. Sie antworteten, da sie sähen, welch schöne Werke die Ghewra in dieser Welt übe, seien sie gewiß durch sie auch an der künftigen Welt Anteil zu erhalten. Über die Mladsys bei der Chewrasude: Hickls Volkskai. 1923/24, S. 64ff. (Flesch).