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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 453

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 453 (sequence 473)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 453 keit im Hause des Gabbe ab. Zu Beginn der Feier werden neue Mitglieder auf Antrag älterer Mitglieder in den Verein aufgenommen. Die neuen Mitglieder werden mit feierlichen Mischeberaehs begrüßt, worauf man sich bei Becherklang und frommen Gesängen bis zum Einbruch der Dämmerung dem Frohsinn hingibt. Lustig ging es in Gesellschaft trinkfester Kumpane unter freiem Himmel zu. In einem geschützten Straßenwinkel wurde ein langer Tisch aufgestellt, an welchem die fröhliche Gesellschaft, die aus ehrbaren Balebattim bestand, Platz nahm. Es wurde ein Rosch Hakol gewählt, eine Art Rex bibendi. Der Rosch Hakol nahm an der Spitze der Tafel Platz. Das Insiegel seiner Tageswürde bestand in dem Weinfasse, das sich an seinem Tischende befand. Ihm zur Seite standen eine Reihe Würdenträger, darunter der Chason und der Schammes, der gleichzeitig Hüter der gelben Fahne der Trinkrunde war. Dem Rosch Hakol waren alle Gemeindemitglieder Untertan. Auf seine Anordnung mußte jedes beliebige Gemeindemitglied sich zur Gesellschaft begeben, und wehe, wenn dem Überbringer der Einladung, dem Schammes, nicht Folge geleistet wurde. Die Gesellschaft fand Mittel, um den Fuchs aus seinem Loch zu vertreiben. Dem geladenen oder berufenen Ankömmling wurde ein fetter Mischeberach bereitet. Wollte sich jemand von der Runde entfernen, so geschah es nur gegen hohes Lösegeld. Gesondert unterhielt sich die Jugend. Zunächst begab sie sich zu ihrem Chosson Thora und Chosson Bereschith zu Besuch —die Jugend hatte nämlich ihre eigene „Jüngsehül" , sodann wurden von den Bräuten in der Gemeinde Torten für die Festlichkeit abgeholt. Ein mißlungenes Gebäck wurde auch entsprechend honoriert. Mit schwarzen Bändern behangen, wurde es durch die Straßen getragen, wobei die Küche, aus der es stammte, kein Geheimnis blieb. Am Abend nach dem Festausgange versammelte sich die gesamte Ortsjugend zu einer gemütlichen Tanzunterhaltung. Diese Sitte reicht recht weit zurück, wurde aber anscheinend von dem Rabbiner nur wohlwollend geduldet. 69. In die Chewra kadischa finden Neuaufnahmen bei der Chewrassude statt. Der Neuaufzunehmende muß erst

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