Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 472)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2949-2640323- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
452 G r u n w. a 1 d, Mai tersdorf. 63. Der Rest der Jomkippur-Kerzen wird von den Balbattim beim Binden der Arowoh für Hoschano Rabbo angezündet. Am Vorabend teilt der Schammes im Tempel Lulowblätter zum Binden aus. 64. Am Hoschano Rabbo morgens werden im Tempel die Reste der Jomkippurkerzen angesteckt und die Balbattim erscheinen in der Jomkippurtracht. Während der Hakofes wird siebenmal Psalm 29 rezitiert. 65. Am Hoschano Rabbo und Purim gehen alle Ghewres im Tempel während des Gottesdienstes sammeln. 66. Am Schemini Azereth aß man zu Mittag als Suppenmehlspeise sogenannte „Regenwürmer"; es waren langgezogene Schupfnudeln mit zugespitzten Enden. 67. Am Schemini Azereth nach Mincha wurden vom Tempeldiener aus dem Fenster der Synagoge für die versammelte Gemeinde Nüsse auf die Straße geworfen. Der Rest im Sacke gehörte dem Schammasch. Im Jahre 1832, als die ganze Gemeinde infolge des Wütens der Cholera in Trauer war, wurde vom Bethdin angeordnet, trotzdem, um dem Minhag treu zu bleiben, einige Nüsse zu werfen. 68. Am Simchas Thora-Abend versammelt sich die Gemeinde nach dem Gottesdienste vor dem Tempel, um den Rabbiner feierlich nach Hause zu begleiten. Voran schreitet die Musik, darauf folgt der Hochzeitsbaldachin, unter welchem der Rabbiner von der Jugend auf den Schultern nach Hause getragen wird. Den Zug flankiert die Jugend mit Fackeln und die Knaben mit brennenden Wachskerzen. Die Straßenfenster werden hierbei illuminiert. Dieser Zug wiederholt sich am nächsten Tag nach dem Mussafgebet. In den ersten Naehmittagsstunden werden dem Rabbiner, den vornehmen Gemeindemitgliedern und den Ortsbehörden Ständchen gebracht und Ansprachen gehalten. Nach dem Minchagottesdienst, der in früher Nachmittagsstunde abgehalten wird, begeben sich die Gemeindemitglieder zum Chossen Bereschis (Rosch Hakol), dann mit diesem zum Rabbiner (Ghosson Thora). Manch einer, der sich festen Trittes zu diesen Besuchen begab, mußte wankenden Schrittes nach Hause begleitet werden. Gleichzeitig hält auch die Chewra Bikkur Gholim ihre Feierlich-