Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 449 (sequence 469)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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GrunwaLd, M att e rsdorf. 449 36. Kinderlieder für Purim (vgl. Mitteil. I, 58, III, 11): a) Heit is Pürim morgen is aus, Gets mo e Kreizer ün schmeißts mioch enaus. h) Pürim Pürim alle, kümm' ioch erein zü falle, Fall ioch üntern Tisch, gefün ioch e Flederwisch. 37. Beim Verlesen der Megilla trägt der Zedoko-Gabbe einen goldenen Siegelring an der rechten Hand. 38. Am Megilloh-Abend wird auf die Tafel Megillohkraut aufgetragen, d. i. süß (mit Zibeben, Zucker usw.) zubereitetes Sauerkraut. Dasselbe wird auch am Simchas Thora, ferner bei jeder Hochzeit aufgetragen. Auf den Mittagstisch kommen süß zubereitete Bohnen. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Frauen der Zubereitung des aufgesetzten Barches, welcher mit Rosetten und Krönehen geziert war. Schon lange vorher sahen die Dorfgeher darauf, sich bei den Bauern das feine Mehl für den Purimbarches zu erhandeln, und mit Genugtuung ließen sie sich vernehmen, daß sie für Purim bereits gesorgt hätten. Man nannte den Barches ,,das geele Barches" wegen seiner Zutaten, wie Eier, Safran, Zucker imd Zibeben. „Marbe Kindloch" und „Makewniken" gab es selbstverständlich in Hülle und Fülle. Die Reste der Kindloch wurden aufbewahrt, um als Dessert am Schabbos Hagodol zu dienen, beziehungsweise am.Erew Pessach als letztes Chomez verzehrt zu werden. 39. Am Purim wurde Homon mit Füßen und Hämmern geklopft und mit Ratschen geratscht. 40. Am Vorabend des Erew Pessach ging der Schammes von Haus zu Haus, um Wachskerzen zum Chomezbatteln auszuteilen. Er erhielt dafür Eier. Am nächsten Morgen, beim Einsammeln des Chomez, wurde er neuerdings mit Eiern beteiit. Das Chomez wurde gegen 10 Uhr unter großem Jubel der Kinder mit Mazzoh, Kochlöffel und Feder auf dem Beth Hakworaus verbrannt. 41. Am Erew Pessach, besonders aber am Erew Jörn Kippur waren in der Vorhalle des Tempels Zedoko-Gaboim und der Gabbai der Chewra Kadischa versammelt. Auf Tischen waren die Pinkesen (Schuldbücher) aufgeschlagen. Wer seine Rückstände nicht beglich, durfte, abgesehen davon, daß er Grunwald, Jahrb. f. jüd. Volksk. II. 29