Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 466)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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446 Gr u n w a 1 d, Mattersdorf. a) Amol ist gewesen ein Isch chossid [Frommer] vorhanden, Der ist gegangen Leiten zu Schanden, Kein Nahrung und kein Essen Und mit abgerissene Malbüschim [Kleider] is er daheim gesessen. b) Er war beglückt mit ein Weib vün Gottes Wunder Ün dazu fünf choschewe [brave] Kinder. Dies Wab war jetzunder stark aufgeregt Ün hot ehm den hoffnungslosen Maamid [Zustand] nohegelegt. c) Sie sogt: „In so e Elend geht's nicht weiter, Leider hom wir weder Brot noch ganze Kleider, Kein Gold, kein Silber und auch keinen Fetzen, Was man könnte beim Saucher [Händler] versetzen. d) Thauro kennst Dü; denn Dü host Dech ordentlich geplogt, Jedoch ober der Hünger macht mich ganz verzogt. Dü lernst ganz woil und sogst a güte Swore [Ansicht], Ober wos soll ich zü essen geben den Kinderloch, a Chumesch [Pentateuch] oder a Gemore [Talmudfoliant]? e) In dieser groissen Not Welt ich Dir geben a güten Rot. Geih wie a Seidner [Soldat] rüstig und tapfer Hinaus auf dem Markt, bring des Opfer. f) Tomer [vielleicht] werd der güte Boire [Schöpfer] Dir bescheren a glickliche S'choire [Ware], Denn Er ist güt zu denen, die auf Ihm hoffen, Seinen Jidelech tüt Er Gutes tomid [stets] verschaffen." g) „Lieb Wabeleben, Deine Eze [Rat] ist voll Sechel [Scharfsinn] und Verstand, Ich hob ober leider nor abgerissenes Gewand, Leer sein alle meine Taschen, Nicht findest Du drinne einen Groschen." h) Da ist sein Weib geloffen zu Reb Hille] Hasoken [dem Alten] Ünd hot sech ausgeliehen eine Schübetze [Gewand] mit silberne Hoken. Er ist gegangen hinein in andern Gheder [Zimmer] Ünd hot sich voll Hoffnung angezogen die geborgte Kleider. i) Gebeten zün Boire hoben seine Kinder: „Riboinoi schel Oiloim [Herr der Welt], bezeig deine Wünder, Jehi Rozoin, erfüll' unser Begehr, A groiße Hazlocho [Glück] unsern Taten bescher!" k) In seinem wahren Bitochoin [Gottvertrauen] loift der Chossid in mehrere Straßen, Er wass nicht, daß Elijohü Hanowi [der Prophet] auf ihm tut passen.