Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 443 (sequence 463)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Mattersdorf. 443 kocht werden. Am Freitagabend aß man geriebene Gerste (Farvelach). 18. Montag und Donnerstag, auch an Erew Roschchodesch, vermied man Fleischgenuß. Roschchodesch wurde zu Mittag besser gespeist, u. a. Reis, gebackene Mehlspeisen (Farwel). 19. Im Nissan ißt man keine Hülsenfrüchte. 20. Wenn in der Gemeinde ein Gast weilte, war es Brauch, einen silbernen Becher Wein und auf einer silbernen Tasse seltene Früchte (Orangen, Zitronen), Schokolade usw. zu kredenzen, mit dem Spruche: „N. N. läßt schön grüßen und schickt es lechowed dem Oirech." Handelte es sich um einen hervorragenden Gast, dann kredenzte auch die Gemeinde. Der Überbringer des großen Kidduschbechers war der Neeman ha'Kehüla (Notar). Vgl. Mitteil. Heft 22 (1907) S. 57. 21. Nach dem Challenehmen wird vom Teige noch ein Stückchen abgehoben, daraus der sogenannte Flecken gemacht, den man armen Leuten schickt. 22. Aus der Trogscharre wird ein eigenes Brötchen gebacken, das männliche Personen nicht essen. Die männlichen Hausleute dürfen keine Kasserollen ausscharren und kein Herz essen. 23. Bei einer Familienfeier wurden eigens zur Verteilung an arme Leute Flecken gebacken. Kinder wurden bei Familienfesten mit „reschigen Rüten" beschenkt. Man nahm ein ca. 20 cm langes und daumenstarkes Holzstäbchen, umwand es schlangenförmig mit einem rund ausgezogenen Teig, überstrich es mit Eidotter und buck es auf den Kohlen liegend. Auch beim Brudermahle verteilte der Vorstand der Ghewra Kadischa an seine kleinen „Melatsches" ähnliche reschige Rüten. 24. Am Roschchodesch legten die Frauen bessere Kleider, so die Roschchodesch-Haube, an und arbeiteten nicht, sondern verbrachten die freie Zeit mit Kartenspielen1) u. dergl. 25. Hallel trägt man, besonders am Seder so vor, daß zuerst 1) Vom Maharam A"sch nur an Purim und bei Wöchnerinnen gestattet, weil angeblich einmal einer seine junge Frau verspielt hatte (Markbreiter, Eisenstadt 53), Ahron Sam. Kaidenower u. a. auch an Ghanukka, vgl. Weiß, Abne 40b.