Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 461)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2938-2640312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Grunwaid, Mattersdorf. 441 8. Außer den vorgeschriebenen 2 Gebetskerzen (Ner Tfillo) wird hier noch eine große Wachskerze angesteckt, die aus den Stiftungsgeldern der Gottlieb Breuerischen Stiftung bestritten wird. 9. Ähnlich der Eisenstädter Thaqqana gingen die Frauen, um nicht mit den Männern gemeinsam den Tempel zu verlassen, schon bei Aanim semiraus heim. Auch an Wochentagen, besonders an Montag und Donnerstag, besuchten die Frauen zahlreich den Tempel. An kalten Wintertagen nahmen Männer wie Frauen Glutschalen mit. Viele Frauen warteten am Abend sogar auf das zweite Minjan, das Maariw bismanoh betete. Erst später wurde die Frauenabteilung als Winterschul okkupiert. Während an Sabbaten zu Mussaf in der großen Schul nicht gebetet wurde, war beim Mittaggottesdienst der Tempelbesuch um so reger, und beim Aanim Semiroth konnten die Pethichoth gesondert versteigert werden. Nach dem Umbau mußte mangels entsprechenden Tempelbesuches die Versteigerung unterbleiben. Der Beleder Rabbiner R. Simon Chajjim Fellner, ein gebürtiger Mattersdorfer, rügte bei einem Besuche in seiner Heimatsgemeinde diesen Übelstand öffentlich. Nebenbei sei bemerkt, daß bei der Vermählung dieses Rabbiners mit der Tochter seines Kollegen in Zelem, die sich zu einem Volksfest gestaltete, die anwesenden Rabbiner anordneten, daß an diesem Tage, obwohl ein Werktag, geduchent (der Priestersegen erteilt) werde. (Mitg. von einem der Anwesenden, Hn. Kraus.) [Dasselbe geschah auch bei der Einweihung der Kobersdorfer Synagoge.] 10. Die Badewärterin (Tuckfrau) wartete am Freitag abend ab, bis die Gemeinde im Tempel den Borchu sagte. Sie stellte sich von außen am oberen rechten Tempelfenster, der Gemeinde sichtbar, auf. Nach Aussage des Reb Binj. Deutsch (Sofer) erklärte der Chassam Sofer, Nacht sei, wenn die Abendglocken läuten, oder wenn die Umrisse eines Strauches im Freien zu verschwinden beginnen. Die Geburt eines Knaben wird vom Schulklopfen an, ebenso am Freitagabend, wenn im Tempel Mismor schir lejom haschabbos gesagt wTird, zum nächsten Tage gezählt. Man ging ehemals am Abend früher in den Tempel.