Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 458)
- Language
- German
- Belongs to
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438 Grunwald, Mattersdorf. in jenen Zeiten der Judenverfolgungen nicht zu den Seltenheiten gehörte, auseinandergesprengt worden. Im weiteren Gespräch ergab sich, daß der „Schach" seine Schwester vor sich hatte. Sie war damals Braut. Als der Rosch hakohol nun sah, wer sein Schützling war, wollte er die Verlobung, da der Bräutigam geistig nicht viel bedeutete, zurückgehen lassen. Der „Schach" aber bestand, als er den seiner Schwester Verlobten kennengelernt hatte, auf der Verbindung. Man dürfe keinen Menschen öffentlich beschämen. Überdies würden der Ehe bedeutende Kinder entsprießen. Bräuche und Lieder. 1. Ausrufungen des Gemeindedieners: a) Wenn ein Mitglied der Gemeinde einen Wurm in einer Kirsche findet, veranlaßt es beim Rabbiner, daß der Schammes durch die Straßen ruft: „Kaschten sein csser ünaufgemacht zü essen". b) Ein Verlustträger ließ in gleicher Weise ausrufen: „Wer das und das hat, selFs zu Pleune tragen üm mekajem gefunden (zu) sein meschiw awede". c) Ein paar Tage vor Pessach: „Alle Leit sollen kümmen zürn Kaschern". d) Bei einer Hochzeit wurde ausgerufen: „Alle Leit sollen kümmen zürn Bedecken". Ferner: „Alle gebetene Leit sollen kümmen zürn Essen und sollen das Eßzeig mitbringen". e) Am Erew Pessach gegen 9 Uhr vormittags: „Chomez is osser zü essen". f) In den drei Wochen, mit Ausnahme von Rosch Chodesch und Freitag, wird in der Mittagsstunde im Tempel Ghazzoth gemacht und der Schames ruft: „Zü Chazzoth". g) An Sehchothtagen geht der Schammes von Tür zu Tür und ruft: „Auf zü Sliches", sodann wird nochmals „Schül gekloppt". h) Auch die Thequfa wurde in dieser Weise ausgerufen. i) Am Schabbos und Jomtof morgens ruft man „zü Haschkome". (Am Rosch Haschono und Jörn Kippur wird nicht gerufen.) Zu Mussaf und Mincha: „In deer Schüül", zu Mariw: ,,zü Maariw".