Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 457)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwald, Mattersdorf. 437 stand zehn Jahre lang, bis R. Meir sieh bewegen ließ, freiwillig seiner Stellung zu entsagen. Er zog nach Wien und fand hier sein Grab. Alle, auch seine Gegner, rühmen ihn als eine Koryphäe talmudischer Gelehrsamkeit1). Der nächste Rabbiner von M. war Simon Ssofer. Er war als Sohn Mosche Ssofers 1821 in Preßburg geboren worden und wurde 1842 nach M. berufen. Hier blieb er bis 1857. Er wurde dann Rabbiner in Papa und 1880 in Krakau. 1879 war er in den Österreichischen Reichsrat gewählt worden; 1880 begründete er die hebräische Wochenschrift „Machsike ha-dath". Er starb 1883. Nach dieser Zeit fungierte in M. als Rabbinatsverweser Aron Singer (starb 1868) und nach ihm David Kohn (starb 1888). Ihnen folgte als Rabbiner R. Samuel Ehrenfeld, dessen Nachkommen die Reihenfolge der dortigen Rabbiner fortgesetzt haben. Sonst wird noch von jüdischen Gelehrten berichtet: Reb Dovid Hasch Wolf ließ am Sabbatausgang das Wasser ausschütten, damit man nicht in Versuchung komme, vom Sabbat etwas auf die Woche zuzubereiten. Reb Moische Hirsch ging nie vor einer offenen „Schul" vorüber, ohne einzutreten und ein kurzes Gebet zu verrichten. Die alten Gelehrten erzählen, daß der Lehrer des Reb Abele Gumbinner, des Verfassers des „Magen Abraham", namens Asriel Denegrad, hier begraben sein soll. Wir können aber seine Grabstelle nicht bezeichnen. Vom „Schach" (R. Sabbatai Kohen) erzählt man sich, er sei auf seiner Flucht aus der Heimat nach M. gekommen. Der Rosch hakohol nahm ihn gastfreundlich auf. In der Nacht schrieb der „Schach" an einem seiner Werke, als er vor der Tür ein leises Weinen hörte. Er ging hinaus und fand ein Mädchen, das bitterlich schluchzte. Der Vorsteher hatte sie, die schütz- und mittellos vor Jahren nach M. gekommen war, an Kindesstatt angenommen. Sie hatte das Tintenfaß des Rabbi bemerkt und dieses sie an ihren Bruder erinnert, der ein ganz ähnliches besessen habe. Die Familie war, wie das 1) Durchaus sympathisch äußert sich über ihn Eis. Hirsch Weiß a. a. O. 38 f.