Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 456)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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436 Grrunwald, Mattersdorf. sondere Ehrerbietung. Da nun gerade der Rabbinerposten in M. vakant war, lud man ihn für Schabbath Schuba zu einer Derascha ein, und R. Meir entwickelte ein so überragendes Wissen und einen so stupenden Scharfsinn, daß man darauf verzichtete, über ihn Erkundigungen einzuziehen und am Sabbatausgang die versammelte Gemeinde ihn einstimmig mit dem Rufe: „Es lebe unser Herr und Lehrer!" zum, Rabbiner wählte. Doch gar bald verscherzte er sich die Gunst der Gemeinde durch die Geringschätzung, mit der er bei der öffentlichen gelehrten Diskussion, dem Pilpul, die Thoragelehrten behandelte. Er rief ihnen zu: „Gejt zum Makre dardeke" (Kinderlehrer)!" oder „Gejt in Cheder!" Einmal im Pilpul am Schabbath Kalla, als die rechthaberischen Lomdim (Gelehrten) ihm arg zusetzten, wandte er sich an die Frauengalerie mit den Worten: „Weiber, verschelt enkere Kinder nit!" Hierauf verdutzte Gesichter, bis R. Meir die Aufklärung gab: „Die Weiber werden meinen, wos für Bne Toire ets seid und werden sich wenigstens solche Kinder wünschen, wie ihr seid, derweil ihr einen am- [haa]razischen Pilpul schel hewel führt." Auch soll R. Meir in vorgeschrittener Morgenstunde einmal zur Ergänzung des Minjans einem minderjährigen Knaben ein Sefer in die Hand gegeben haben. Während seine Vorgänger in der Sorgfalt auf Sauberkeit des Gewandes Muster geboten hatten, vernachlässigte er, wie es heißt, seine äußere Erscheinung. Die Gemeinde hielt es auch mit ihrer Ehre für unvereinbar, daß er sich für längere Zeit als Wanderrabbiner aus ihr entfernte. Furchtbar waren, so lautet die Überlieferung, seine Flüche gegen einzelne Gemeindemitglieder. Der Sohn eines von ihm Verwünschten wurde wahnsinnig. Ein an einem Sabbat von ihm Verfluchter wurde bei einem Aufenthalte in Wien wenige Tage darauf von einem Wagen zu Tode überfahren. So entstand denn in der Gemeinde eine Spaltung, die auch die Nachbargemeinden ergriff. Der Chassam Ssofer nahm sich aus prinzipiellen Gründen R. Meirs an und es ist wohl kaum zutreffend, daß er, wie man erzählt, gesagt haben soll: „R. Meir ist ein Talmid chochom deoraisso, aber ein Am hoorez derabbonon." Jedenfalls ertrug die Gemeinde den unleidlichen Zu-