Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 454)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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434 Grunwald, Mattersdorf. Vermahnungen des früheren Rabbiners, am Sabbat brauen lassen. Bei seinem Weggange von M. hatte der Rabbiner über das Haus den Fluch ausgesprochen, daß es in Kurzem abbrennen möge. In der Tat brach der Brand im Bräuhaus aus, doch griff er auf die Judenhäuser über, so daß ein großer Teil der Gemeinde obdachlos wurde. Dies bestimmte den Ghatham Ssof er seine Gemeinde nicht zu verlassen, bis er durch Sammlungen in anderen Gemeinden die Mittel aufgebracht hatte, zunächst für die Abgebrannten Baracken bauen zu lassen. Als man dann an den Wiederaufbau der Häuser ging, stieß man auf eine Schwierigkeit. Da die Gemeinde ohne Rücksicht auf ihre Ausdehnung sich auf wenige Häuser angewiesen sah, war jedes Haus stückweise Eigentum mehrerer Familien. Jetzt, nach dem Wiederaufbau, entstanden Unstimmigkeiten bei der Festsetzung der Eigentumsgrenzen. Gegen die Art, wie der Chatham Ssof er sie durchführte, beschwerten sich einige bei der weltlichen Behörde. Als nun die christlichen Ratsherren den Rabbi befragten, wie er die Grenzen so bestimmt habe erkennen können, nahm er eine Axt, er schlug an einer Stelle die Tünche ab, und deutlich sah man die Ziegelsteine darunter nach rechts und nach links so angeordnet, daß hier offenbar zwei verschiedenen Besitzern gehörende Hausteile festgestellt werden konnten. Als die Herren, hierüber erstaunt, den Chatham Ssofer des weiteren fragten, wie er denn, ohne diese Nachprüfung im einzelnen nach dem bloßen Augenschein die Grenzlinien ausfindig gemacht habe, erklärte er ihnen, er habe gewußt, daß die Dachrinne immer diese Grenze entlang gelaufen sei. Man bestaunte die Weisheit des Rabbi, der, wie eine Überlieferung meldet, durch einen Traum darauf hingewiesen worden war. Der Chatham Ssofer verließ M. als eine Gemeinde, die durch die Menge bedeutender Thora-Gelehrter berühmt war. J. Hirsch in seinem „Mor deror", in dem wertvolles Material zur Biographie des Chatham Ssofer, so insbesondere über seine Stellung zu profanen Wissenschaften, zu finden ist, berichtet von ihm unter anderem die Äußerung: „Hilchos Rabbonus lernt man in M." Die Jeschiwa in M. blühte auch nach seinem Wegzuge. Man pflegte zu sagen: „In M. können die Staner (Steine) lernen" oder: „M. hat 70 Bne Toire, die in der Ssugje mit dem