Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 453)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Mattersdorf. 433 Vorfall war er hierzu bestimmt worden. Das Fenster in Mose Ssofers Studierzimmer führte auf den Friedhof hinaus. (Nach einer Legende leuchtete durch ein kleines Fenster im Arbeitszimmer des M. Ss., das zum Bache hinausging, die Schechina hinein.) Eines Nachts, als er vom Buche aufblickte und hinaussah, gewahrte er auf dem Friedhofe eine Gestalt in Totenkleidern. Sie trug die Züge des Kantors, der in demselben Hause unter ihm wohnte. Der „Chassam Ssaufer" — um ihn, wie üblich, nach dem Titel seines Hauptwerkes zu benennen — ließ am nächsten Tage für den Kantor, ohne ihn zu nennen, im Minjan beten, an dem sich dieser selbst ahnungslos beteiligte. In der Nacht erblickte der Rabbi dieselbe Erscheinung. Er ließ abermals beten. An diesem, Tage erkrankte der Chasan. um bald darauf zu sterben. Der Chatham Ssofer nahm ein kurz vorher geborenes Kind des Verstorbenen zu sich. Solange das Kind noch der Mutterbrust bedurfte, rief der Rabbi die Mutter des Säuglings zu ihrem Söhnchen in den Oberstock. Solche Züge persönlicher Bemühung im Dienste der Menschenliebe sind besonders beachtenswert an einem Manne, der Tag und Nacht fast unausgesetzt dem Studium oblag. Die Woche hindurch, von einem Sabbat zum anderen, kam, der Chatham Ssofer gar nicht heim. Er blieb im Studierzimmer der Gemeinde, das heute noch gezeigt wird. Er schlief nicht anders, als indem er die Stirn auf einen Schlüssel im Schlosse stützte. Sowie der Schlüssel herausfiel, erwachte er. Wollte ihn die Müdigkeit beim Studium übermannen, so steckte er die Füße in kaltes Wasser. Stehend studierte er viele Jahre hindurch1). 1806 erhielt er einen Ruf nach Preßburg, wo ihn vor allem als Lehrer günstigere Bedingungen erwarteten. Wuchs doch die Schar der Bachurim in Preßburg unter dem Chatham Ssofer bis zu etwa 500. Nicht sogleich2) trat er die neue Stellung an. Als er nämlich die Abschiedspredigt in M. hielt, brach in der Judengasse ein verheerendes Feuer aus. Nach einer Überlieferung hatte der Pächter des dortigen Bräuhauses, ein Jude, trotz der 1) Über seine Stellung zu profanen Wissenschaften vgl. Eis. H. Weiß a. a. O. 20, 58, 60. 2) Vgl. Weiß, Abne beth hajocer 46, 51, 53. Grunwald, Jalirb. f. jüd. Volksk. II. 28