Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 449)
- Language
- German
- Belongs to
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Grunwai d, Mattersdorf. 429 deutsche Normalschule gegründet. An ihr wirkte der bekannte jüdische Schriftsteller Peter Beer (s. Jüd. Athenäum u. Jew. Encycl.). Er verließ Md. 1785. Einen breiteren Platz in der Geschichte der Md.er Gemeinde nimmt wieder der nächste Rabbiner ein: R. Jissachar Beer Bloch, Verfasser des Werkes „Binath Issachar". Er war der Sohn des Hamburger Klausrabbiners Schimschon Bloch Chassid1) und wurde vom Szeniczer Rabbinersitz nach Md. berufen. Von seinen Baalebattim befragt, warum er seine Gemeinde verlasse, meinte er: „Mein Vögele (Name seiner Frau) hat den Senic (slawisch: Hanf) schon satt." Seine Unterschrift trug ein Dokument, das über eine bemerkenswerte Vereinbarung berichtete, die von den Siebengemeinden 1798 in Ödenburg getroffen wurde. Ähnlich der polnischen Vierländersynode und dem littauischen Viergemeindenbund sollten die Siebengemeinden eine Medina, einen Landtag, konstituieren zur gemeinsamen Vertretung nach außen wie zur Handhabung der Gerichtsbarkeit im Innern dort, wo eine Gemeinde im eigenen Wirkungskreise einen Streitfall zu schlichten außerstande war. Der Schlußparagraph (§ 13) bestimmte über das Inkrafttreten dieses Statutes vorbehaltlich der obrigkeitlichen Genehmigung. Das Statut war von sämtlichen Rabbinern und Notabein gezeichnet, scheint aber nie aktiviert worden zu sein. Über „Reb Jisos'chor's" Ableben wird folgendes erzählt. Als er das Ende seiner Tage herannahen fühlte, begab er sich in die Mikwa. Nach seiner Rückkehr fand sich sogleich dieChewra bei ihm ein. Bald darauf ersuchte er sie, das Zimmer auf kurze Zeit zu verlassen. Es verstrich aber eine längere Weile, und Ungarn 1781 erlassen wurde. ,,Mattersdorf, sowie Bisenstadt und Preßburg, gehörte damals zu den intelligentesten jüdischen Gemeinden, da seine Gemeindemitglieder wegen der Nähe Wiens mit dessen Handelsmarkte und so indirekt auch mit den herrschenden modernen Ideen in nähere und empfänglichere Berührung kommen konnten" (a. a. 0.11). 1) Der Beiname Chassid ist nichts Ungewöhnliches, wie Duckesz, Chachme AHW glaubt. Sämtliche Rechnitzer Rabbiner führten ihn (vgl. Zipser a. a. O.). Auch war sein Sohn Issachar nicht nur Rabbiner in „mährischen" Gemeinden (so bei Duckesz), sondern vor M. in Schemnitz (Ungarn], wo er (s. d. Titelblatt) sein Werk ,,Bin. Jiss." herausgegeben hat (gedr. in Prag 5545 1785).