Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 429

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 429 (sequence 449)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2638044-2638085-2638086--2926-2640300
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Grunwai d, Mattersdorf. 429 deutsche Normalschule gegründet. An ihr wirkte der bekannte jüdische Schriftsteller Peter Beer (s. Jüd. Athenäum u. Jew. Encycl.). Er verließ Md. 1785. Einen breiteren Platz in der Geschichte der Md.er Gemeinde nimmt wieder der nächste Rabbiner ein: R. Jissachar Beer Bloch, Verfasser des Werkes „Binath Issachar". Er war der Sohn des Hamburger Klausrabbiners Schimschon Bloch Chassid1) und wurde vom Szeniczer Rabbinersitz nach Md. berufen. Von seinen Baalebattim befragt, warum er seine Gemeinde verlasse, meinte er: „Mein Vögele (Name seiner Frau) hat den Senic (slawisch: Hanf) schon satt." Seine Unterschrift trug ein Dokument, das über eine bemerkenswerte Vereinbarung berichtete, die von den Siebengemeinden 1798 in Ödenburg getroffen wurde. Ähnlich der polnischen Vierländersynode und dem littauischen Viergemeindenbund sollten die Siebengemeinden eine Medina, einen Landtag, konstituieren zur gemeinsamen Vertretung nach außen wie zur Handhabung der Gerichtsbarkeit im Innern dort, wo eine Gemeinde im eigenen Wirkungskreise einen Streitfall zu schlichten außerstande war. Der Schlußparagraph (§ 13) bestimmte über das Inkrafttreten dieses Statutes vorbehaltlich der obrigkeitlichen Genehmigung. Das Statut war von sämtlichen Rabbinern und Notabein gezeichnet, scheint aber nie aktiviert worden zu sein. Über „Reb Jisos'chor's" Ableben wird folgendes erzählt. Als er das Ende seiner Tage herannahen fühlte, begab er sich in die Mikwa. Nach seiner Rückkehr fand sich sogleich dieChewra bei ihm ein. Bald darauf ersuchte er sie, das Zimmer auf kurze Zeit zu verlassen. Es verstrich aber eine längere Weile, und Ungarn 1781 erlassen wurde. ,,Mattersdorf, sowie Bisenstadt und Preßburg, gehörte damals zu den intelligentesten jüdischen Gemeinden, da seine Gemeindemitglieder wegen der Nähe Wiens mit dessen Handelsmarkte und so indirekt auch mit den herrschenden modernen Ideen in nähere und empfänglichere Berührung kommen konnten" (a. a. 0.11). 1) Der Beiname Chassid ist nichts Ungewöhnliches, wie Duckesz, Chachme AHW glaubt. Sämtliche Rechnitzer Rabbiner führten ihn (vgl. Zipser a. a. O.). Auch war sein Sohn Issachar nicht nur Rabbiner in „mährischen" Gemeinden (so bei Duckesz), sondern vor M. in Schemnitz (Ungarn], wo er (s. d. Titelblatt) sein Werk ,,Bin. Jiss." herausgegeben hat (gedr. in Prag 5545 1785).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.