Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 447)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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G r li n a 1 d, Mattersdorf. 427 einen einzigen Knaben kein weiteres Kind großziehen solle. Der Gewährsmann berichtet, daß bis auf seine Zeit dieser Fluch sich erfüllt und in dieser Familie kein Haus mehr als einen Knaben zu erhalten vermocht habe. Einen Anhalt für die Hinneigung R. Nathans zu der Bewegung, die sich an den Namen der Sabbatai Zebi knüpft, könnte man in einigen Grabschriften erblicken, die er vermutlich verfaßt hat, und die im Prat, d. h. in der Art, das Sterbedatum in bezeichnenden Worten auszudrücken, messianische Hoffnungen aussprechen, wie es zur Zeit der sabbatianisehen Schwärmerei üblich war. So vor allem die Grabinschriften seiner Schwestern. Er hatte zwei bejahrte ledige Schwestern, die im Talmud sehr bewandert gewesen sein sollen. Wegen ihrer prophetischen Begabung bezeichnet man auch heute noch ihre Grabsteine als die der zwei Newietes (Prophetinnen). Über ihre prophetische Begabung hat sich keinerlei Überlieferung erhalten, hingegen von ihrer Bibelkenntnis legt nachstehende Anekdote Zeugnis ab. Die Schümim (Steuerkommission) wollten sie besteuern. Daraufhin ließen sie der Kommission folgenden vieldeutigen Bibelvers mitteilen: „Im anne theanne otho" Ex. 22, 22 (, Witwen und Waisen sollt ihr nicht bedrücken, wenn du sie doch bedrückst" usw.). Die „Prophetinnen" haben, wie man sich erzählt, verstanden, diejenigen männlichen und weiblichen Seelen, deren Paarung vorher bestimmt war, zu bezeichnen. Kaiser Franz soll ihnen ein Geschenk gemacht haben, von dem sie ein Keren Kajemeth stifteten. Der Grabstein R. Nathans läßt seine Bezeichnung als Ortsrabbiner vermissen. Man erzählt, daß seine Gegner mit dem Stellen dieses Steines seinen Anhängern hätten zuvorkommen wollen. Die Grabschrift seiner Tochter enthält seine volle Titulatur. Er starb 1758. Als eine Spur von Sabbatianismus in Md. ist noch folgendes zu beachten. Vor etwa 50 Jahren starb in Md. hochbetagt ein Mosche Löb Krapina. In seinem Nachlaß fand man ein Gebetbuch mit christologischen Beisätzen, wie es in Frankistischen Kreisen gebräuchlich war. Vielleicht handelt es sich aber auch um ein Gebetbuch der Sabbatarier, wie es jüngst