Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 440)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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420 Gruiiwald, Maltersdorf. das bereits erwähnte Zitat (ad ki jowau schiloh) befand. Der Plafond selbst war mit Emblemen, Motiven, die teilweise dem religiösen Leben entnommen waren (Feststrauß, Menorah, Vögeln, Sternen), bemalt. In den steinernen Fensterstöcken sind an der Außenseite Namen eingemeißelt, die vielleicht die Namen der Spender der Gebetstücke angeben. Die kleine Schül, die rechts von der Polischen lag, hatte die gleiche Anordnung und Einrichtung wie der Tempel, nur primitiver. So hatte sie bloß einen hölzernen Amlemor uswr. An der rechten Wand der kleinen Schül gingen 3 Fenster in den Nachbarhof. In der Wand, die die kleine Schül von der Polischen schied, befand sich das Mattan Bessesser. Die dienstlichen Funktionen in der kleinen Schül versah der Unterschammes, der gleichzeitig der Schülrufer war. Im Tempel selbst besorgte dieses Amt der Liberer (Oberschammes)1). Der Famulus des Liberers war der Schülklopfer. Der Liberer war gleichzeitig der Gemeindediener und Polizeimann der politischen jüdischen Gemeinde. Die Wand der Gassenfront fiel nicht senkrecht ab, sondern war dem Erdboden zu ausgebaucht. Diese Ausbauchung erweiterte sich zunehmends von links nach rechts, so daß für den Fraueneingang Platz geschaffen wurde. Dieser Eingang befand sich nämlich südwärts, d. h. nicht an der Gassenfront, sondern vis-ä-vis dem Abeles'schen Eingange. Wollte man in die Frauenschül gelangen, so stieg man über ca. 4 Stufen, überschritt eine Rast, worauf eine nach rechts führende Wendeltreppe folgte, so daß man den Tempel mit dem Gesichte nach Osten betrat. Dieser Aufgang war offen und hatte erst nach der Treppe zu eine Türe. Die Westseite der Weiberschül hatte keine Fenster. Von der Männerin die Weiberschül führten die drei oben beschriebenen Fenster. Die Straßenfront hatte nur ein Fenster, dessen Läden nur einmal im Jahre geöffnet wurden, nämlich wenn der Liberer am Simchath Thora die 1) Vielleicht, wenn nicht von leber Grab (d. Jahrb. 1923 S. 5), das mgriech. ^ißpapio; Sekretär (lat. libellarius, targ. u. talm. ~\7ib Schreiber, vgl. clerk) oder von „Libera", womit das katholische Totengebet beginnt (vgl. das jüdisch-deutsche „Aprenowes" Ora pro nobis, ,,daweneut£ von „divinus", s. Jahrb. 1923 a. a. O.).