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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 415

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 415 (sequence 434)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 415 nach mündlicher Mitteilung einer betagten Insassin, vom Fürsten dieses Haus zum Geschenk erhalten haben. Die ehemaligen Stallungen sind heute Nebenräume. Wo heute die „Jessode ha-Thora" sich befindet, war die „Gewarzbix" (Gewürzbüchse), nach dem fächerartigen Bau so genannt, daneben, wo heute das Pollak'sche Haus und der Stadl stehen, ein Konglomerat von aneinandergeklebten, windschiefen und eckigen Häuschen und Lehmhütten mit zwischen durchlaufenden Passagen und Zugängen, so daß, wie leicht erklärlich, diese sog. Nennischen Häuser den idealsten Tummelplatz für die Kinder abgaben. Wo konnte man so vortrefflich Verstecken spielen wie in diesen lauschigen Winkeln? Die Gäßchen zur Linken der Straße, die zum, Bache führen, hatten keine feststehenden Namen und wurden jeweilig nach einer Person, die den Mittelpunkt der Gasse bildete, benannt, z. B. Rüfke Ziperls Gessl, Chane Bachems Gessl usf. Das Straßenbild wurde stark durch den — außer am Sabbat — allmorgenlich abgehaltenen Grünzeugmarkt beeinflußt. In das Alltagsgetriebe des Marktes brachte der „Kohls Bocher", den die Bauern „Schabbesbock" nannten, zuweilen eine heitere Abwechselung. Im oberen Gemeindehause bei der Hofmühle war der Gemeindekotter, das Gefängnis. Ganz ohne Zusammenhang mit der eigentlichen Judenstadt, von ihr durch fünf Minuten Weges durch die Christenstadt getrennt, liegt Neuhäusel, 12 Häuser, deren Bau trotz des Einspruches der Christengemeinde der Fürst den Juden, nach einer Aufzeichnung im M.er Ortsarchiv, 1819 bewilligt hat. Noch 1848 bedeckte die jüdische Siedlung den größeren Teil des bebauten Areales in Mattersdorf. Das Hauptgebäude der Judenstadt bildet die Synagoge. Der Mattersdorfer Rabbinatsassessor Reb Joel Fellner und Reb J. Hirsch ließen sich in die Kuppelhöhe des Tempels hinaufseilen, um die in der Kuppel befindliche Jahreszahl zu enträtseln. Es stand dort: „ad ki jawo Schiloh lefaku, das wäre 462 1702 der bürgerlichen Zeitrechnung. An der Gedenktafel der Gassenfront des Tempels liest man als Erbauungsjahr 5114 (1354). Sollte diese Zahl das Erbauungsdatum richtig

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