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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 407

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 407 (sequence 426)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 407 Sie wandten sieh nach Eisenstadt (Kismarton), Mattersdorf (Nagymarton)1) und anderen benachbarten Gemeinden und führten von dort aus bei Ferdinand I. und der ungarischen Regierung Beschwerde über die Unbill, die ihnen widerfahren, nachdem sie seit vielen hundert Jahren friedlich in Ödenburg gewohnt und alle ihre Pflichten gegen die Behörden pünktlich erfüllt hätten. Daß sie von ihren Gläubigern so barbarisch behandelt würden, sei um so weniger gerechtfertigt, als sie niemandem ein Darlehen angetragen hätten, sondern die Ödenburger ihnen sogar nach Eisenstadt, Knobelsdorf und, wo immer sie jetzt Zuflucht gefunden, nachlaufen und nachreiten, um von ihnen Geld zu leihen (1527 und 28 bei Friss 354, 384). Ferdinand hatte dem, Herrn von Weisspriach ausdrücklich aufgetragen, die Juden, die nach dem, Tode Ludwigs aus Ödenburg vertrieben worden und sich zum Teil in die Herrschaft Weisspriachs geflüchtet hatten, zu schützen und ihnen bei der Eintreibung ihrer Schulden bei den Ödenburger Bürgern behilflich zu sein; auf Drängen der ungarischen Regierung ersucht er den Freiherrn, auch die Schuldner glimpflich zu behandeln (20. Juli 1527 bei Friss 360). 1529 erneuert Ferdinand auf Ansuchen der Juden Niederösterreichs „und sonderlich in den Stetten zu Gunst (Güns), Eisenstadt, Zistersdorf, Marchekk, Martersdorff und Kobelsdorf" ihre Privilegien, die sie seit Friedrich III. und Maximilian I. besitzen (a. a. 402). Wie ernst es mit dieser Zusage gemeint war, zeigt der Ausweisungsbefehl, den Ferdinand 1544 gegen die Juden Niederösterreichs mit wenigen Ausnahmen, zu denen auch Eisenstadt gehörte, erließ. Weisspriach, unter dessen Herrschaft kurze Zeit darauf als Pfand auch Eisenstadt kam, scheint aber seine Mattersdorfer Juden bald wieder aufgenommen zu haben. Aus dem, Berichte einer kaiserl. Kommission, die 1569 in Eisenstadt tagte, ersehen wir, daß damals in Mattersdorf 60 Juden lebten, die vor Weisspriachs Herrschaft dort nicht gewohnt hatten. „ein Thlüa" nennen, werden frisch aufgetischt.) S. Mayer, D. Wiener Juden 113. 1) Die ungarischen Namen deuten darauf hin, daß anfangs M. größer als Eisenstadt war.

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