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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 406

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 406 (sequence 425)
Language
German
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406 Grunwald, Mattersdorf. besonders schlimm. Der Türkeneinbruch, der Judenhaß der Magistrate, geschürt von Gläubigern der Juden, gelegentlich ein Ritualmordprozeß mit allen schrecklichen Konsequenzen, wie in Bösing1) bei Preßburg, die Nachgiebigkeit der Landesregierung, alles vereinte sich, um die Juden mit Leiden zu überhäufen. Für die Juden in M. war es ein Glück, dass sie unter dem Schutze eines Mannes lebten, der nicht nur über sie seine Hand hielt, sondern auch jüdischen Flüchtlingen von anderen Gemeinden hilfreiche Aufnahme gewährte. Es war der Pfandherr von M. und Kobelsdorf, Freiherr Hanns von Weisspriach, einer jener kleinen Machthaber, die, gleichviel aus welchen Beweggründen, den Mut aufbrachten, auch gegen die Oberhoheit Leben und Gut der ihnen anvertrauten Juden zu verteidigen oder doch ihnen ungünstigen Weisungen ihre äußersten Härten zu nehmen. Die Kleinstaaterei und Zersplitterung der Kompetenzen ist einer der Gründe, weshalb die Juden Deutschlands und Italiens sich in schwerster Zeit erhalten haben, während sie in Frankreich, England, Spanien und Portugal dem, Machtspruch eines Monarchen zum Opfer fielen. 1527 wurden die Juden Ödenburgs vom Magistrat2) mit Hinterlassung aller ihrer Habe aus der Stadt vertrieben3). 1) Ausführlich „Neuzeit" 1888, S. 190; „Verbrennung von dreißig Juden in Bösing". Bilder hierzu in Liebe, „Der Jude in der deutschen Vergangenheit." Im Wiener Hofkammerarchiv findet sich hierüber folgende Notiz (die Abschrift verdanke ich Herrn Dr. Erich Fischer): Österreich. Fase. 1/5. 1529 „Examen und Urteil über die Juden zu Bösing (n. Preßburg in der heutigen Slowakei) in Ungarn, die einen Christen-Buben, 9 Jahre alt, im Keller mit vielen Wunden gemartert und ermordet haben; worauf alle Juden und Weiber, Töchter und Dienstboten, so über 10 Jahre alt waren, durch Feuer hingerichtet worden. 2) Ähnlich erging es damals den Juden in ganz Deutschland. Nur der Vorwand wurde den lokalen Verhältnissen angepaßt. 3) In Preßburg verlangte in demselben Jahre der Stadtrat in einem Gesuche an die Königinwitwe und Regentin Maria als Strafe für die Flucht einzelner Juden vor den Türken nach der Schlacht bei Mohacz 1526 die Austreibung sämtlicher Juden aus der Stadt. Die Königin willigte ein. Mit dem Hinweis auf den gleichen Vorgang in Ödenburg: Pollak, Zsidok Törtenete Sopronban 332. (Auch die Hostienschändungen, Ritualmorde u. a. Verleumdungen, so daß die Juden Maria

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