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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 405

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 405 (sequence 424)
Language
German
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Grunwald, Mattersdorf. 405 Name der noch heute dort lebenden Familie Schischa1) (=sechs). Von den Wormser Juden heißt es, sie verlegten durch Konstruktion eines Briefwechsels mit Jerusalem die Gründung ihrer Gemeinde in die vorchristliche Zeit, um sich so gegen den Vorwurf zu schützen, sie seien an der Kreuzigung des christlichen Heilandes beteiligt gewesen2). Von den Mattersdorfern erzählt man: eines Tages sei der Friede, der sonst zwischen Christen und Juden in M. zu herrschen pflegte, bedroht worden, indem der Ortspfarrer das Volk gegen die Juden hetzte, weil sie den Stifter seiner Religion getötet hätten. Der christliche Gemeindevorsteher kam ganz aufgeregt zum Rosch ha-Kohol, mit dem er befreundet war, und fragte ihn, was er zu dieser Anklage des Pfarrers sage. Geistesgegenwärtig antwortete der Rosch ha- Kohol: „Das waren nicht wir, das waren die Kobersdorfer." Das Stadtoberhaupt war befriedigt und der Bürgerfriede gewahrt. Die Mattersdorf er waren jedenfalls damals nicht dabei, aber auch nicht in Mattersdorf. Ebensowenig kenne ich einen Anhalt für die Annahme, daß eine Judenniederlassung in M. bereits zur Zeit Karls d. Gr. bestanden, aber in den Avaren- und Magyarenstürmen ihren Untergang gefunden, und i. J. 1222 Andreas II. sie neugegründet habe. Das älteste mir bekannte Faktum aus der Geschichte der Juden in M. ist die an der Front der Synagoge angegebene Zahl 5114 1353 oder 54 als Jahresdatum ihrer Erbauung. Die Berufung auf Geschäfte des Grafen Nikol von M. mit Juden im Jahre 1374 ist m. E. nicht stichhaltig, da ausdrücklich nur von Ödenburger Juden darin die Rede ist (vgl. Friss, Monum. Hung. Jud. I, 84ff.). 1491 wurde M. an die Herzöge von Niederösterreich abgetreten, unter deren Oberhoheit es bis 1647 verblieben. 1496 wurden die Juden aus Niederösterreich ausgewiesen. Inwieweit die Juden in M. hiervon betroffen wurden, wissen wir nicht. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrh. erging es den Juden in Ungarn 1) Einer aus dieser Familie war übrigens der Begründer der jüd. Gemeinde in Baden bei Wien, vgl. Jcw. Enc. s. v. Baden. 2) Vgl. Edw. Bormann, Kinderszene („ Silbers tein's war'n nicht dabei!" in „Freiheit, Liebe, Menschlichkeit". Berlin 1893, S. 21). Vgl. * auch „Die Neuzeit" 1881, S. 137.

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