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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 400

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 400 (sequence 419)
Language
German
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400 Grunwald, Der Dichter J. L. Perez. Türen, sondern durch die Besinnung auf die eigene Art dahin streben soll, diese jüdische Eigenart als ebenbürtigen und gleichberechtigten Faktor durchzusetzen in dem Weltgetriebe. Er betont immer: wenn die Juden dem Judentum, Achtung zollen, wird es auch Anerkennung bei Nichtjuden finden. So wird Perez zu gleicher Zeit Kosmopolit und Nationalist. In diesem Streben, beide Pole zu vereinen, gebraucht er die jüdische Sprache, weil er ja zum Herzen des jüdischen Volkes reden will. In diesem Streben schildert er meisterhaft das jüdische Volksleben, weil er doch das Herrliche, das Innige und Gute darin aufdecken will. In dieser Vereinigung, Nationalist und Kosmopolit zugleich, begegnet er sich mit dem Größten, was wir besitzen: mit den Propheten Alt-Israels. Und den Eck- und Schlußstein aller prophetischen Verheißungen stellt er in seinem vielleicht schönsten Märchen, ohne auf ein jüdisches Zitat anzuspielen, wunderbar dar, den Gedanken: „An jenem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig." Dieses Märchen führt den Titel „Vom ewigen Frieden in Irgendland" Es ist geschrieben, als hätte Perez den Weltkrieg vorausgeahnt. In „Irgendland" steht ein hoher Berg, sein Gipfel taucht hinein in das ewige Blau. Von diesem Irgendland und seinem Berge singen die Mütter den Kindern in der Wiege ein Lied und ein seltsames Feuer senden die Klänge in das Herz. Mancher erinnert sich später an dieses Lied und sehnt sich nach dem Berge. Und so ziehen dichte Scharen zu jenem Berge hin. Er ist ungeheuer weit und jede Kolonne errichtet am Fuße des Berges ihrem „einzigen" Gott einenTempel und spricht ihre „einzige" menschliche Sprache. Allmählich steigen die Kolonnen den Berg empor. Je höher sie kommen, desto schmäler wird der Berg, und sie müssen einander begegnen. Indem sie andere Kolonnen grüßen, finden sie, daß dieser Gruß unfreundlich, frech erwidert wird: „Die anderen reden gar nicht unsere „einzige" menschliche Sprache, verehren unseren „einzigen" Gott nicht; sie haben überhaupt keinen Gott, sielästern!" Nun entsteht ein furchtbares Würgen und Morden. Von dem vergossenen Blute gedeiht die Erde und wird fruchtbar. Der Bergmann steigt in die Erde hinab und holt daraus Erz, woraus immer neue Waffen geschmiedet werden. Und eines

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