Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 418)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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örunwald, Der Dichter J. L. Perez. 399 zusammenzuckt, w enn seine Fr au in die Nähe kommt oder einer der Schelme sich den Scherz erlaubt, ihm das vorzugaukeln. Aber zu scharfen Konflikten kommt es dort, wo die Tochter des Hauses bereits von modernen Ideen gekostet hat und sich nun hinaussehnt aus der Enge der altväterlichen ostjüdischen Häuslichkeit. Eine solche Unglückliche, deren Lebensschifflein an der unvermittelten Bekanntschaft mit den Verhältnissen jenseits der Ghettomauern gescheitert ist, ruft einmal ihrem Bruder anklagend und vorwurfsvoll zu: „Was wußte ich denn vom Judentum anderes, als kochen und backen und altfränkische Märchen? Was wußten wir denn von Euren Schmerzen, von Eurem großen, geistigen Leben? Das Große, Schöne, Erhabene im Judentum habt Ihr Männer für Euch behalten, das verschließt Ihr uns, die wir mit der ganzen Kraft der Jugend nach dem Leben schreien! Von uns verlangt Ihr nur Butterkuchen und gelbe Sabbatstritzel!" Das moderne Leben pocht gebieterisch an die Pforten des ostjüdischen Ghettos und verlangt einen Führer, der berufen ist, hinüberzuleiten aus der alten in die neue Welt. Dieser Beruf ist aber gar zu hoch; denn es handelt sich darum, daß die goldene Kette der geistigen Tradition nicht abreißt, wie dies Perez in einem seiner symbolischen Dramen darstellt. Perez hat recht, wenn er, der doch in beiden Welten wurzelt, sich für einen solchen berufenen Führer hält. Er will der Jugend, die voll Sturm und Drang, die mit dem Hasse des eben befreiten Sklaven sich gegen die kaum abgestreifte Kette wendet, er will diesem neuen Ostjudentum zu Herzen führen das Verständnis für das, was den Alten heilig war. Er zeigt diesem neuen Geschlechte mit dem milden, verklärten Lächeln einer reifen, überlegenen Kunst das Gute, das Große und Schöne, das Löbliche und Anerkennenswerte in dem Leben des Ghettos, die Innerlichkeit des Gebetes, die Innigkeit des Familienlebens, die Herrlichkeit der Erinnerung an eine große, ruhmbestrahlte Vergangenheit, das Heldentum des Duldens, die Stärke in der Selbstbehauptung einer ganzen Welt zu Trotz und die leuchtende Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf das Kommen des Messias. Perez legt es diesem neuen Geschlechte ans Herz, daß es nicht, zum Bettler erniedrigt, anklopfen darf an fremden