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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 398

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 398 (sequence 417)
Language
German
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398 Grunwald, Der Dichter J. L. Perez. Da war einmal ein Königssohn, der litt an schwerer Melancholie. Der Vater umgab ihn mit aller Pracht der Welt, — nichts konnte ihn heilen. Eines Tages kommt ein Zaddik vorbei; erschöpft vom Weg und von Entbehrung greift er zu einem Apfel, der vom Baume gefallen ist, und spricht den Segen vor dem ersten Bissen. Und wie er diesen Segen spricht, verklärt sich selig sein Antlitz und von dem Wiederscheine dieser Verklärung schwindet mit einem Male die Melancholie des Königssohnes und das Düster aus seiner Umgebung; er hat den Genuß nach langer Entbehrung, er hat das Glück gesehen. So wie diese Hingebung an Gott bei den Chassidim oder an das Studium bei den Talmudisten einen wichtigen sozialen Faktor bildet, einen Ausgleich schafft für die Unebenheiten des Lebens, für die Härte des Schicksals, so tut es in noch weit höherem Maße das unvergleichlich innige Familienleben des Ostjuden, wie es Perez schildert, z. B. in der Skizze ,,In der Kellerstube4'. Ein Nachtstück. In einem Keller hat ein junges Ehepaar — in einem Winkel mitten unter einem bunten Gemisch von Genossen des Elends — sein Zelt aufgeschlagen, und herzerhebend ist es, mit welcher Zuversicht im Vertrauen auf Gott und geeint in gegenseitiger Liebe und Treue diese beiden jungen Menschen den Kampf mit dem Leben aufnehmen wollen. Vielleicht noch ergreifender ist die Erzählung ,,Das Eheglück". Wie prächtig ist die Figur eines einfachen, schlichten, ganz ungebildeten jüdischen Lastträgers gezeichnet, der sich niemals den Umweg an seinem Hause vorbei verdrießen läßt, um den eben verdienten Groschen hinzutragen, vor allem aber, um sein Weib zu sehen. Denn sie lieben sich noch genau so wie an dem Tage, da sie unter dem Trauhimmel gestanden. Er protestiert gegen jene Überlieferung über das Jenseits. Seine Frau darf nicht auf dem „Fußbankel" sitzen, sondern neben ihm auf dem Großvaterstuhl. Aber die Frauen selbst erheben schon zum Teil Protest gegen diese untergeordnete Rolle im Jenseits. Das sind besonders jene Frauen, die für die übergeordnete Rolle im Diesseits selber sorgen. Es ist nichts komischer bei Perez, als wenn er erzählt, wie einer der Gelehrten im Lehrhause den Strom seiner Rede dahinrauschen läßt und plötzlich

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