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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 395

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 395 (sequence 414)
Language
German
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Grunwald, Der Dichter J. L. Perez. 395 Schriften für die Erhaltung des Ostjudentums und des Judentums überhaupt hat. So schildert er uns denn einmal den Rabbiner seiner Heimatstadt; ganz nüchtern, nicht als Dichter, sondern rein sachlich aus eigner Anschauung einen Menschen, der einzig und allein durch die Reinheit seines Wandels und die Überlegenheit der Gaben des Geistes und des Herzens die ganze Gemeinde zusammenhält, so daß alle, Reich und Arm, Jude und Christ, willig seinem Winke gehorchen. Diese Macht des Rabbiners über die Gemeinde skizziert Perez einmal humoristisch in der Geschichte „Das Straimel". Das Straimel ist die Pelzmütze, die Kopfbedeckung der Rabbiner im Osten. Ein armer jüdischer Kürschner empfindet es als höchsten Stolz, daß er ab und zu ein Straimel machen darf und damit eine Macht einsetzt, der gegenüber die Macht des Kaisers nicht aufkommen könne; denn diese Macht reicht bis in das intimste Familienleben hinein. Wenn ein Sabbat gestört ist, weil die Frau am Freitag kein Fleisch aus der Fleischbank gebracht hat, —das Straimel hat es so gewollt; denn das Fleisch war nicht koscher. Aus demselben Grunde wird mancher Topf hinausgeworfen, der an sich intakt und tadellos ist, und wenn zwei Menschen einander von Herzen lieben, so müssen sie doch an das Straimel denken, um von ihm die religiöse und soziale Sanktion für ihren Ehebund zu erhalten. Den Antagonismus zwischen dem „Rebben" und dem„Raw" stellt Perez meisterhaft dar in der Geschichte von den zwei Bergen. Der eine Berg, das ist der Brisker Raw, und der andere ist der Bialaer Rebbe. Der Brisker Raw hat in Biala eine Tochter verheiratet und in ihrem Haus ist ein Hauslehrer tätig, der es im geheimen mit dem Bialaer Rebben hält. Öffentlich verkehren darf er nicht mit ihm wegen der Verwandtschaft seiner Brotgeber mit dem Brisker Raw. Eines Tages erkrankt die junge Herrin. Wenige Häuser entfernt wohnt der Bialaer Rebbe; ein Rezept von ihm kann helfen, — aber man schickt nicht hin. Die Krankheit verschlimmert sich jedoch und der Hauslehrer soll den Brisker Raw holen. Es ist ein Hundewetter, als er die Reise antritt. Kaum sitzt er jedoch auf dem Wagen, so klärt sich der Himmel auf. Ein Wunder geschieht. Sogar der

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