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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 393

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 393 (sequence 412)
Language
German
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Grunwald, Der Dichter J. L. Perez. 393 gesanges auf die Herrlichkeit Gottes und seine Schöpfung, so gut und gediegen der Gedanke ist, daß eine sittlich hervorragende Persönlichkeit moralisch eine ganze Gemeinschaft beeinflußt und beherrscht, so ist doch gerade in diesem Gedanken des Zaddikismus bereits der Keim des Verfalles und des Niederganges des Chassidismus gegeben. Denn zwischen den einzelnen Zaddikim und Rebbes besteht eine scharfe Konkurrenz, die auch die Judenschaft in gegnerische Lager teilt. Und als ich einmal Eingeweihte, aber bereits skeptisch Gewordene fragte: „Glaubt ihr wirklich an den Rebben?", da antworteten sie: „Ja, wir glauben jedem Rebben, was er auf den — anderen sagt". So begeistert nun Perez von der guten Seite des Chassidismus spricht, so weiß er mit einem Humor, der am ehesten an Heine erinnert, die Auswüchse des Chassidismus ganz fein und leise zu geißeln. Das tut er z. B. selbst in einer ernsten Erzählung, jener Erzählung „Von den drei Matones", den drei „Gaben" oder „Geschenken". Vor dem himmlischen Tribunal steht die Wage, auf welcher die Verdienste und Sünden der Verstorbenen gegeneinander abgewogen werden, und wenn die Schalen einander das Gleichgewicht halten, muß die Seele unstet und flüchtig zwischen Himmel und Erde umherirren. Der Besdin-Schames, der Gerichtsdiener des höchsten Tribunals, erbarmte sich einst einer solchen armen Seele. Er gibt ihr folgenden Rat: „Du weißt doch, daß der Himmel der Sitz der Zaddikim ist; nun ist es aber leider so in der Welt, daß man zum Zaddik nicht mit leeren Händen kommen darf; du mußt Geschenke mitbringen. Also sieh5 dich um, ob du solche Matones findest." Die arme Seele weint und klagt und irrt zwischen Himmel und Erde und wieder zwischen Erde und Himmel lange umher. Endlich sieht sie eines Nachts, wie auf der Erde, ihrer früheren Heimat, in das Haus eines frommen Juden Räuber einbrechen. Einer von ihnen stellt sich vor den Juden hin und zückt sein Messer mit den Worten: „Rühre dich nicht, sonst ist es um dich geschehen!" Der Jude steht da wie teilnahmslos, läßt alle seine Kisten und Kasten ausplündern, alle seine Habe rauben. Da sieht er aber, daß einer der Räuber die Hand nach einem Säckchen ausstreckt, das tief verborgen im Wandspinde

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