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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 392

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 392 (sequence 411)
Language
German
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392 Grunwald, Der Dichter J. L. Perez. Vornamen seiner Frau oder vice versa dem Namen der Frau den des Mannes hinzufügt, wodurch die Familiennamen auf „eles" entstanden, wie Elkeles und Pascheies nach Frauennamen und Isseries und Ebeles nach männlichen Namen. So heißt also dieser Jude Chajim Boruch Sorl Riwkes nach seiner Frau. Aber auch diese Ehre, daß der Mann nach ihr heißt, gentigt ihr nicht; denn sie hilft ihr nicht darüber hinweg, daß sie nichts in den Topf zu legen hat und die Wäsche des Mannes so fadenscheinig geworden ist, daß sie beim Flicken die Brille aufsetzen muß. So verlangt sie denn von ihm, daß er zum Rebben fahren muß. Der Rebbe gibt ihm einen Tschibuk als Talisman. Das hilft gewiß und zuversichtlich fährt er damit heim. Um zu verstehen, was das heißt „zum Rebben fahren", müssen wir dem Dichter auf ein Gebiet folgen, das er in geradezu genialer Weise in den Bereich seiner Dichtung gezogen und für die Kunst fruchtbar gemacht hat, nicht nur für die Kunst, sondern auch für das praktische religiöse Leben der Ostjuden. Das ist der Chassidismus. Der Chassidismus in seinem guten Kern und in seinen gesunden Anfängen ist die heilsame Entfaltung eines tief in jüdischem Boden keimenden Dranges; denn was er erstrebt, ist die Verinnerlichung des Gebetes. Er will in den Mittelpunkt des ganzen Judentums das Gebet, die wahre Herzensandacht stellen und die Ekstase, die Verzücktheit; jene restlose Hingabe an das göttliche Wesen, dieses Sicheinsfühlen mit Gott ist die höchste Stufe, die der Chassidismus anstrebt. Aber diese hohe Stufe erreicht und behauptet nur der „Zaddik", das heißt wörtlich der wahrhaft „Gerechte", ist aber nach der Praxis des heutigen Chassidismus eine Gnade geworden, die nur ererbt werden kann. Und zu dem Zaddik oder zum Rebben — wie man auch sagt — regelmäßig in bestimmten Zeiträumen wallfahrten, gehört in den Kreisen der Chassidim zum guten Ton. Hat man aber noch irgend einen besonderen Herzensdruck oder -wünsch, ein spezielles Anliegen, so muß man erst recht zum Rebben fahren. So erhaben auch diese Idee der Verinnerlichung des Gebetes ist, so wunderbar auch die Auffassung des ganzen Menschenlebens als eines Lob-

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