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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 391

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 391 (sequence 410)
Language
German
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Grrunwald, Der Dichter J. L. Perez. 391 juden: des Morgens vor dem Frühstück beten, ein wenig Psalmen sagen, im Laufe des Vormittags ein anderes frommes Buch lesen, nach Tisch Talmud lernen, dann das Gotteshaus besuchen, sich an Sammlungen für Arme beteiligen. Wie rasch geht der Tag hin! Mendel weiß nicht, woher er die Zeit nehmen soll. Inzwischen müht und plagt sich seine Breine ab, sie kocht und bemüht sich um die Kinder, bedient die Kunden im Geschäft; sich selbst gönnt sie gar nichts. Bei Tische bekommt den besten Bissen der Mann, denn sie weiß, Thorastudium schwächt die Kräfte; und sie weiß auch, daß sie ihn nicht stören darf mit Nahrungssorgen. Aber manchmal will es Mendel scheinen, als sähe Breine schlecht aus und wäre schwach. Sie redet ihm jedoch ein, das wäre von den Kindern, er möge sich nicht schrecken und quälen. Ihre Freude ist es, wenn sie am Sabbat oder Festtag mit ihrem Mendel ins Bethaus gehen kann. Noch auf der Stiege zur Frauensynagoge wendet sie sich um und sieht, wie Mendel im Feststaate in der Synagoge paradiert. Und wenn er vom Vorbeter den Segen über seine Breine laut sprechen läßt und über seine Kinder, dann ist sie auf dem Gipfel der Seligkeit. Mendel hat auch einen Plan gefaßt : wenn die Kinder einmal verheiratet sind, will er mit Breine nach dem Lande der Väter auswandern, um seine letzte Ruhestätte im heiligen Lande zu finden. Und während er eines Tages im Lehrhause mit einem Freunde über diese Reisepläne diskutiert, kommt eines seiner Kinder gelaufen, er möge nach Hause eilen, der Mutter sei nicht gut. Und als er die Schwelle seines Hauses betritt, da hat Breine —vollendet. Wie im Leben nur ein Hauch, nur eine Seele, ist sie auf der Totenbahre fast körperlos, zur Figur eines Kindes zusammengeschrumpft. Nicht jede Frau im Osten begnügt sich mit dieser Anwartschaft auf das Jenseits; so manche will auch von dem Glücke des Diesseits etwas kosten. Zum Exempel dient Frau Sorl Riwke in der Humoreske „Des Rebens Tschibuk". Chajim Boruch Sorl Riwkes —so heißt der Mann nach seiner Frau Sorl Riwke. Da nämlich im Osten die Familiennamen nicht allgemein üblich sind und man die Individuen voneinander unterscheidet, indem man dem Vornamen des Betreffenden den

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