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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 387

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 387 (sequence 406)
Language
German
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Gr-unwald, Der Dichter J. L. Perez. 387 kennt, wie gehässig diese alte Heimat und Umgebung ist, besonders seine Heimat — er ist am 25. Mai 1851 zu Zamose bei Lublin geboren —, wie diese Umgebung den Juden gewaltsam von jedem freien Wettbewerb ausschließt, wie sie ihm nicht das bescheidenste Plätzchen an der Sonne gönnen will, wird Perez zum Demokraten; dadurch wird er zum begeisterten, feurigen Wortführer der Arbeitssklaven und der Unterdrückten. Nichts ist hierfür so bezeichnend wie sein Gedicht „Jochebed". Jochebed, die Mutter unseres großen Meisters und Lehrers Mose, singt ihrem Kind ein seltsames Wiegenlied. In diesem langen Liede findet sich nicht ein einzigesmal der Name Jude, nicht die leiseste Anspielung auf den religiösen Beruf Moses und seines Volkes. Nur die Empörung der Sklavin spricht aus dieser Frau, nur der Haß gegen die Unterdrücker. Lieber will sie mit eigenen Händen ihr Kind erwürgen, als daß es der Pharaonen Scherge werden sollte. Haß soll es einsaugen mit der Muttermilch, Haß gegen die Ägypter, nicht als Volk, sondern als schamlose, gewissenlose Unterdrücker. „Das Joch wirst du deinen Brüdern lösen, Gift wirst du saugen, Kind, aus meiner Milch, Gift aus meinen Liedern." Und so wie Mose einst zu meinen Brüdern hinausging, um sie bei ihrer Arbeit in ihrem Proletarierelend zu beobachten, so kennt auch Perez aus eigener Anschauung die furchtbare Not seines Volkes, des Ostjudentums. Er besucht die jüdischen Industrien Warschaus, er bereist die polnische Provinz und legt sich gleichsam eine Statistik des jüdischen Elends an; und wenn es sich findet, daß wirklich irgend ein Jude einmal bei einem Diebstahl ertappt wird, wenn irgend eine arme Jüdin einmal ohne Konzession Branntwein schenkt, dann ist er mit seiner Statistik bei der Hand und weist nach, wie viele Tage dieser arme Jude vergebens Arbeit gesucht und gehungert hat, ehe er zum Mundraub seine Zuflucht nahm, und wie dieser armen Jüdin am Hungertyphus ein Kind nach dem anderen gestorben ist, bis sie endlich, um das letzte zu retten, das erste Gläschen Branntwein ohne Konzession ausgeschenkt hat. Aber auch innerhalb des jüdischen Volkes gibt es wichtige soziale Fragen zu lösen. So vor allem die Stellung der Frau im Ostjudentum. Vielleicht seit dem Verfasser des biblischen 25*

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