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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 367

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 367 (sequence 385)
Language
German
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 367 sich wahrscheinlich mit der Frage: Woher wußten denn die Freunde des frommen Dulders vom Unglück ihres Genossen? Die Bäume im Garten verdorrten, Brot verwandelte sich in Fleisch, ebenso Wein in Blut. Ähnliches liest man auch bei Valerius Maximus, der zu berichten weiß, daß, ehe Xerxes Athen zerstörte, der Wein, den man in den Becher gegossen hatte, sich in Blut verwandelte1). Einige dieser Vorzeichen bedürfen einer näheren Erklärung. So z. B. die Gebärde der Taube. Der Text läßt hier an Klarheit viel zu wünschen übrig. Es heißt: Ept^Kl SW NnK, d. h. nach Raschi: Die Taube taumelte hin und her, schlug sich, riß sich die Federn aus und schrie. Die Federn der Vögel sind im Totenglauben von besonderer Wichtigkeit. Sie erschweren, nach den Angaben des Predigers Bernhard von Siena (1380 bis 1440), den Todeskampf2). Zachariä3) liefert genügende Belege, daß die Federn der Vögel Unglück bedeuten. Raschi fügt noch hinzu, daß die Taube geschrien hätte. Das Schreien der Vögel oder das Brüllen und Heulen der Tiere galt als Vorbote großer Unglücksfälle. Man denke nur an den Mann, der aus dem Brüllen des Tieres die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem erfährt4). Von besonderer Bedeutung erscheinen den Alten die Veränderungen im Leben der Natur. Sonnen- und Mondfinsternis wirkten auf das Gefühlsleben der Alten in einer Weise, wie sie uns geradezu unverständlich erscheint. Sonneneklypsen sind die Verkünder böser Zeichen für die Völker der Welt, die ihren Kalender nach der Sonne einrichten, hingegen sind Mondeklypsen für die Juden von unheilvoller Bedeutung, denn sie zählen nach dem Monde. R. Meir meint, daß diese Zeichen von Bedeutung seien, ob sie nun im, Westen oder im, Osten zum Vorschein kommen. R. Jose ben Chalafta formuliert einen ähnlichen Satz mit Bezugnahme auf die Planeten. R. Jona- 1) s. Günter, Die christliche Legende des Abendlandes 63. 2) ZVfV. 22, 232. 3) AUW. 12, 414, vgl. auch Sartori, Sitte und Brauch I, 126; man reißt dem Sterbenden das Kopfkissen fort, namentlich wenn Hühnerfedern darin sind. 4) pal. Ber. 5 a, vgl. auch EEJ. 17, 203.

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