Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 386)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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368 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. than bestreitet die Richtigkeit dieser Theorien ganz und gar. Er ist der Überzeugung, daß die Juden infolge der Verheißung des Propheten Jeremia von den Zeichen des Himmels nichts zu fürchten haben1). Die Mekhilta erfährt eine Erweiterung im, Talmud. Nach einer Barajta2) bedeutet die Sonneneklypse für alle Erdenbewohner Unheil. Wie ein König, der für seine Diener eine Mahlzeit veranstaltet, Fackeln und Lichter brennen läßt, damit die Geladenen ihr Mahl bei guter Beleuchtung verzehren können, so läßt Gott die Sonne scheinen. Sobald der König zürnt, läßt er das Licht wegtragen und die Gäste sitzen im Finstern. Sonnenfinsternis ist also ein Zeichen des göttlichen Zornes, der alle Menschen gleich trifft. Die Barajta ist gewiß der Tosefta entlehnt, wo wir aber statt HDnnttf (die Sonne), die Worte nTYlKDfW. (die Planeten) lesen3). Für Israel ist diese Eklypse von besonders schlimmer Vorbedeutung; denn Israel ist an Heimsuchungen und Verfolgungen gewöhnt. Wenn der Schulmeister den Schulraum betritt und nach der Zuchtrute greift — wer zittert am meisten? Nicht der Prügelknabe? Wer ist der Prügelknabe der Weltgeschichte? Das jüdische Volk! In der Tosefta finden wir ferner die Ansicht des R. Meir und des Anonymus vereint mit den Zusätzen: a) Die Eklypse im Mitten des Himmels ist ein Zeichen des Unglücks für die ganze Welt; b) die Sonne wie Blut bedeutet Krieg; c) in Gestalt eines Sackes bedeutet sie Hungersnot4). R. Jonathans Lehrsatz wird anonym gebracht und dahin modifiziert: nur wenn Israel dem Willen des himmlischen Vaters gehorcht. Ferner finden wir noch die Gründe angegeben, die den göttlichen Zorn in dieser Weise hervorrufen. Diese sind: Die Vernachlässigung der Trauerfeierlichkeit für einen verstorbenen Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes. Zweitens: Das vergebliche Schreien einer Jungfrau um Hilfe gegen Vergewaltigung. Drittens: Päderastie. Viertens: Das vergossene Blut von zwei Brüdern. Fünftens: IfiD^S *QrVD. Sechstens: Kleinviehzucht in Palästina. Siebentens: Falsche 1) Jer. 10, i. Mekhilta 3*. 2) b. Sukka 29*. 3) Tosefta, ed. Zuckermandl 194,13. 4) vgl. noch b. Joma 54a, Ps. Seder Elia z. ed. Friedmann.