Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 383)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 365 die wie ein Hahn kräht, zu töten!" Welche Bewandtnis hat es mit dem Krähen? Levy gibt genügende Belege dafür, daß das Krähen bei vielen Völkern als von unheilvoller Bedeutung betrachtet worden ist. Wir finden die Vorstellung bei den Römern und bei den Deutschen1). Wie das Bellen des Hundes, so ist auch das Krähen ein Zeichen des herannahenden Todes2). Der Hahn wird verwendet in der antiken Medizin3), Magie4) und uum Austreiben der bösen Geister5). Die Henne ist den Heilgöttern geweiht, deshalb bindet man sie an den Fuß des Bettes in der Wochenstube6). Der Hahn und die Henne verscheuchen die Dämonen der Nacht, deshalb wird im Morgengebete Gott gedankt, daß er dem Hahn Verständnis gegeben hat zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden7). Auch bei anderen Völkern finden wir die Vorstellung, daß der Schrei des Hahnes das herankommende Licht verkündet und die bösen Geister, die Nachtdämonen, verscheucht8). Die Tosefta verbietet ferner einem krächzenden Raben zuzurufen: Schrei'!, oder kehre um!9) Plutarch erzählt im Namen des Stoikers Blosius aus Gumai, der des Tiberius Lehrer gewesen ist, daß am Tage, der für Gracchus so verhängnisvoll sich gestaltete, ein Vorzeichen erschienen sei. Ein von einem Raben heruntergeworfener Dachziegel fiel vor die Füße des Gracchus. Selbst die mutigsten unter den Freunden waren sehr bestürzt10). Die Rabbinen bezeichneten den Eintritt der Dämmerung nach dem Raben, der sein Nachtlager aufsucht. Der Rabe verkündet den Tod des Tages11). 1) ZVfV. III, 30—31, Gruppe, GMR. p. 795. 2) s. Jahrbücher f. d. kl. Alt. 17, 359, ferner ^n* nbn:, Amsterdam 46 B 3) b. Gittin 67 B, 68 B, Otto Weineeich, Antike Heilungswunder 67. 4) s. Ms. Adler 3832 und 2123. 5) z.B. im Nikolsburger nn HWß. 6) Tosefta 118, Jalkut I, 587, Gruppe 795. 7) Es gibt zwei verschiedene Versionen. Die eine hat "pnaflb, die andere liest b^ianb. 8) s. Wellhausen, Reste arab. Heidentums II, 151. Wuttke, D. Volksabergl.2, p. 112. 9) Vgl. Beiträge, Jahrb. I, 318. Tosefta 117, 2,15. 10) *Plinius N. Hist. X, 121 f. 11) b. Sabb. 35 B.