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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 363

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 363 (sequence 381)
Language
German
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 363 nur um eine mehr oder weniger verzeihliche Neugierde, sondern noch mehr darum, feindliche Gewalten, die an allen Ecken und Enden auf sein Glück neidisch oder mißgünstig lauern, auf sein Unglück mit Schadenfreude warten, tatkräftig zu bannen. Der Geburt der Heiligen und Frommen gehen Zeichen und Erscheinungen voraus. Die Überlieferung von der Geburt Abrahams und Moses geben hinreichende Belege1). Parallelstellen aus anderen Literaturkreisen sind reichlich und wohlbekannt2). Die Geschichte des Helden oder des Frommen beginnt nach dieser Vorstellung noch vor der Geburt, in manchen Fällen sogar vor der Empfängnis, vgl. auch die Legende von Samuels Geburt3). Älter ist die Überlieferung der Agada vom Streite der Zwillinge Esau und Jakob im Mutterleibe4). Nach R. Jochanan führten sie schon vor der Geburt miteinander einen Todeskampf. R. Simon ben Lakisch verlegt diesen Kampf auf das geistige Gebiet. Was der eine für erlaubt hielt, betrachtete der andere für verboten, und umgekehrt. R. Levi belehrt uns, daß die verschiedenen und sich widersprechenden Neigungen des Bruderpaares schon vor der Geburt sich zu äußern pflegten. So oft Rebekka vor einer Synagoge oder einem Lehrhause vorbeiging, wollte Jakob ans Licht der Welt, Esau hingegen in der Nähe von Götzentempeln. Die Apostasie des Elischa ben Abu j a wird dem Wohlgefallen zugeschrieben, das er im Mutterleibe empfand, wenn die Mutter vor einem Heidentempel vorbeiging und den Geruch der Götzenopfer einatmete5). Einen recht beachtenswerten Gegensatz bildet die Erzählung von der Geburt des R. Joschuaben Gharfanja6). Die Mutter des R. Joschua ben Chan an ja besuchte während der Zeit der Schwangerschaft Bet- und Lehrhäuser und bat die Weisen: „Betet für das Kind zu Gott!" R. Jochanan ben Zakkai erfüllte diesen Wunsch, 1) Archiv für Religionswissenschaft XVII (1913), p. 160ff., wo die Belege zu finden sind. 2) ' ibid., p. 161. 3) Beiträge, Jahrbuch I, 316 r. 4) Gen. r. 63, 6, Pesikta EK. ed. Buber, p. 23», s. Note 47, nach Aruch s. v. rvns, Tanchuma, ed. Buber V. 18a, M. Psalmen ed. Bnber 300. 5) Midr. Eccl. r. ed. Buber 111 und Parall. 6) Raschi zu Aboth II, 8, s. auch rtiznn nn:tt, Krakau 23», wahrscheinlich aus einer älteren Quelle.

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