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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 362

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 362 (sequence 380)
Language
German
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362 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. einer anonymen Agada lesen wir: Es kommt vor, daß ein Mensch sündigt und des Todes schuldig ist; da stirbt seine Kuh, seine Henne geht ihm verloren, seine Flasche zerbricht, sein Finger wird beschädigt — und seine Rechnung ist ausgeglichen1). Der Tod hat sühnende Kraft2), die Frommen werden dahingerafft und ihr Tod bildet eine Sühne für das^anze Geschlecht3). Wir finden auch Leiden als stellvertretende Sühne. Die Leiden und Plagen, die Israel hätten treffen sollen, wurden auf die Ägypter gewälzt4). § 9. Vorzeichen. Zu den vielen Vorstellungen über Sitten und Bräuche, Hoffnungen und Befürchtungen, die man anläßlich von Geburt, Hochzeit und Tod des Menschen übt und hegt, gehört der Glaube an Vorzeichen, die denselben vorangehen. Sie dienen gewissermaßen als die Vorboten anläßlich dieser bedeutsamen Veränderungen im Leben und Schicksal. Sie bedeuten in vielen Fällen Glück oder Unglück, Heil oder Unheil, Segen oder Fluch, Mahnung oder Drohung. Omina bei der Geburt oder der Hochzeit durften nebst den Vorzeichen beim Bau eines neuen Hauses als solche gedeutet werden5). Es ist ein leicht begreifliches und natürliches Verlangen des Menschen, in hochernsten Momenten des Daseins, von Furcht und Hoffnung umgeben, den dichten Schleier, der die Zukunft verhüllt, lüften zu wollen. Dieses Bestreben hat so manche Bräuche und Vorstellungen erzeugt, die geeignet sind, das Seelenleben der Alten in ein neues Licht zu stellen und die Gestaltung ihrer Frömmigkeit und Religiosität intensiver nachempfinden zu lehren. Der primitive Mensch dachte und denkt heute noch vielfach, daß gewisse Zeichen und Erscheinungen ihm über Gelingen und Mißlingen seiner Unternehmungen, über das Schicksal seiner Seele Auskunft erteilen können. Es handelt sich dabei für ihn nicht 1) j. Sota 17». Eccl. z. ed. Buber, p. 116, Eccl. r. 7, 27, R. Isaak. 2) B. Joma 85B. Eccl. z. p. 113. R. Simon, Gen. r. 44*>. Pes. 174 B, 191a. 3) Exod. r. 35, 4, Cant. r. 1, 60. B. M. K. 28 a. 4) Exod. r. 11, 3. 5) R. Simon ben Eleazar in b. Chullin 95 B, j. Sabbath VI, 9, s. auch Beth-Talmud I, 389.

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