Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 361 (sequence 379)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Marmorstein, Beitr. z. Beligionsgesch. u Volkskunde. 361 Recht bezeichnend und lehrreich erscheint uns eine Erzählung imTanchuma1). R. Jannai und R. Jochanan saßen im Tore von Tiberias, neben ihnen unterhielten sich zwei Astrologen. Letztere sahen zwei Juden ihres Weges gehen, um ihre Arbeit zu verrichten. Die Astrologen äußerten sich, daß diese zwei Juden wohl aus der Stadt gehen, aber niemals zurückkehren würden, denn eine Schlange werde sie töten. R. Jannai und R. Jochanan hörten dies. Da saßen sie am Haupttore der Stadt und warteten, ob diese zwei Juden, die aus der Stadt gegangen waren, um ihre Arbeit zu verrichten, wieder zurückkehren würden. Sie kehrten heim. Da sagten die Schriftgelehrten zu den Astrologen: Habet ihr nicht vorausgesagt, daß diese Männer niemals zurückkehren werden? Die Astrologen antworteten: „Gewiß, wir haben es vorausgesagt"! R. Jannai und R. Jochanan: „Die Männer sind in Frieden ausgezogen und in Frieden auch heimgekehrt!" Da betrachteten die Astrologen die Männer und sagten zu ihnen: Was habet ihr heute getan? Die Männer erwiderten: Wir haben nichts Besonderes getan. Wir lasen wie gewöhnlich das Schema und verrichteten das Gebet. Hierauf die Astrologen: „So? ihr seid Juden, —dann kann die Astrologie euch nichts antun!" Eine fernere interessante Vorstellung, wie man dem Tode entgehen kann, findet man in der Erzählung von Josua ben Levi und dem Propheten Elijah2). Der Schriftgelehrte begleitet den Propheten. In der ersten Nacht übernachten sie im Hause eines armen Mannes, der verheiratet war und eine Kuh besaß. Der Mann bewirtet die Gäste nach seinen Kräften und mit großen Ehren. Um Mitternacht steht der Prophet auf und verursacht den Tod der Kuh. Diese Tat erscheint dem Schriftgelehrten als eine ungeheuerliche. Er stellt den Begleiter und Führer zur Rede. Der Prophet gibt ihm folgende Erklärung: In jener Nacht sollte die Frau des armen Mannes sterben. Er liebte die Frau mehr als alle Schätze der Welt. Deshalb habe ich die Kuh getötet als Sühne für die Frau, damit sie am Leben bleibe. Diese Vorstellung spielt eine große Rolle in der Agada. In 1) sec. ed. Frankfurt a. 0. 286* 2) Sefer Maasiyoth, ed. Bagdad, nr. 12.