Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 378)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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360 Marmorstein, Beitr. z. ReligioDsgesch. u. Volkskunde. vom Tode durch Gebet handelt. Wir erwähnen einige Legenden, die diesen Punkt veranschaulichen mögen. Eine Legende berichtet über ein Schiff, das einem Heiden gehörte und einen jüdischen Knaben unter den Reisenden führte. Auf dem Meere entstand ein gewaltiger Sturm. Da standen alle Passagiere auf und nahmen ihre Gottheit in ihre Hände, beteten zu ihnen, wurden aber nicht erhört. Als sie sahen, daß ihr Gebet ohne Erfolg sei, sagten sie zu dem, Juden: Mein Sohn, erhebe dich und bete zu deinem Gotte, denn wir haben gehört, daß er euch erhört, wenn ihr ihn anrufet. Wir hörten ferner, daß er allmächtig sei. Da erhob sich der Knabe und betete mit ganzem Herzen, schrie laut zu Gott, und Gott erhörte sein Gebet. Die See wurde ruhig1). Obwohl die apologetische Tendenz der Erzählung klar ist2), so darf die Vorstellung von der Gewalt des Gebetes doch hervorgehoben werden. Wir dürfen nicht die Fälle unerwähnt lassen, in welchen R. Chaninah ben Dosa für andere betet und Erhörung findet. R. Jochanan ben Zakkai fordert ihn auf, für seinen kranken Sohn Gebete zu verrichten3). R. Gamaliel sendet zwei Talmide- Chakhamin zu ihm, um für seinen Sohn zu flehen4). Das Gebet des Wundermannes rettet die Söhne vom Tode. R. Isaak wirft die Frage auf: Warum wird das Gebet der Frommen mit der zweizinkigen Getreidegabel verglichen? Weil, wie die Gabel die Frucht in der Tenne von einem Orte nach dem andern versetzt, so das Gebet der Frommen die Absicht Gottes wandelt. Das Strafgericht wird in Milde, Barmherzigkeit verwandelt5). 1) pal. Berakhoth IX, 1 (R. Tanchuma), vgl. auch Maasiyoth nr. 20. Im S. M. lesen wir statt iritf-p bütD "iriNT "IHN bs: jeder Einzelne hatte die Figur seines Gottes auf seinem Halse, nachher nahm jeder Einzelne seinen Gott in seine Hand, umarmte ihn, küßte ihn etc. 2) Betont den Vorzug des jüdischen Gottesglaubens vor dem heidnischen, der in anderen Erzählungen und Legenden gleichfalls erscheint, wie z. B. in der Legende des zum Judentum übergetretenen Priesters iu Damaskus, s. Midrasch ha-gadol, Exodus ed. D. Hoffmann. 3) b. Berakhoth 34 B. 4) ibid.; vgl. A. Büchlee, Types of Jewish Palestinian Piety, London 1922, p. 92 f., besonders p. 94, Anm. 1. 5) b. Jebamoth 64a, b. Sukka 14a. R. Eleazar, vgl. Marmobstein, The Doctrine of Merits, p. 84. ynän fehlt in Jebamoth, dort heißt es m:73m n-rab mann mwn, statt n-n^a mwo.