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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 359

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 359 (sequence 377)
Language
German
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Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 359 zeit gebeten. Wir lernen in dieser Erzählung das Motiv kennen, daß man sieh, vom Tode durch Almosen oder Gebet retten kann. Die Erzählung hat zur Voraussetzung, daß Almosen und Gebet vom Tode erlösen. R. Juclan lehrt im Namen des R. Eleazar (ben Pedath): Drei Dinge heben böse Verhängnisse auf, und zwar Gebet, Wohltun und Buße1). Ein Geschlecht, das Wohltätigkeit ausübt, selbst wenn seine Handlungsweise sonst wenig Rühmenswertes aufweisen kann, wird doch vom bösen Verhängnis befreit2). Der Gedanke findet sich auch im Tobitbuche, wo wir lesen: „Wohltätigkeit rettet vom Tode"3). Eine weitere Wirkung der Wohltätigkeit finden wir in der 17. Erzählung der Bagdader Sammlung. Es war einst ein schlechter Mann, der niemals einem Menschen etwas Gutes tat. Als er im Sterben lag, da verlangte er ein Ei, das er verspeisen wollte. Da kam ein armer Mann, dem er es als Almosen gab. Er starb. Nach seinem Tode erschien er seinem Sohne im Traume und teilte ihm mit, daß dank der einmaligen Wohltätigkeit er würdig befunden worden, ins Paradies einzugehen. In dieser Sage sind zwei Vorstellungen beachtenswert, die einen weiten Raum in der Religionsgeschichte der Agadisten einnehmen. Erstens, daß die Toten nach ihrem Hinscheiden von dieser Welt mit den Lebenden in Verbindung stehen4). Zweitens, daß Wohltun, auch im geringsten Maße, einen Anteil am Paradiese erwirkt. Viel reichhaltiger ist das Material, das über die Rettung 1) Eccl. r. 7,29. Gen. r. 44, 14. Seder El. zutta, c. 1, ed. Friedmann, p. 169 f. 2) Agadath Schir ha-schirim, ed. Schechter, p. 22, z. 601. 3) Tobit 12,9, vgl. Prov. 10,2, 11,4. b. BB. 10a. j. pea 15B. Midr. Prov. e. 10, b. Sabb. 156 B, MGWJ. 28, 451 und Rosenthal, Vier apok. Bücher, p. 134. 4) Uber die Mitteilungen der Toten an die Lebenden s. die Erzählung in REJ. 33, nr. 2, p. 50ff.; ferner Bartels in ZVfV. X, pp. 117—142, „Was können die Toten"?, der auch auf das agadisehe Material häufig zu sprechen kommt. Daß die Toten nach ihrem Tode umherwandeln (vgl. Marmorstein, The Doctrine of Merits, p. 156 f.) und im Traume den Gelehrten erschienen sind, ist bekannt. Man vgl. Gen. r. 83, 3 (R. Ami); Gen. r. 6, s; Taan. 21 B, Joma 22 B, Eccl. r. 3, 3; 9, 18 ed. B. 122f., Azulai, "|na 100d. Ms. München 225, p. 26. Schechter in Semitic Studies für Alex. Kohut, p. 488, Lev r. 34, 12.

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