Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 373)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2638044-2638085-2638086--2850-2640224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. 355 jedem Schaden zufügte. In diesem Falle diente der Drache als Brücke, auf der Ben Sabar den Strom überschreiten konnte. Nachher begegnet ihm ein besonders häßlicher Mensch, der kein anderer als der Todesengel gewesen ist. Er teilt dem Ben Sabar mit, daß er sterben müsse. Ben Sabar erhebt seine Augen zum Himmel und klagt, daß er ohne Riten und Würde in der Wüste, weit von seiner Behausung, von dieser Welt gehen solle. Da wird ihm eine Frist gewährt, bis er heim kehrt. Er kommt auf seinem Wege in eine Stadt, wo er die Gastfreundschaft des Schefifon ben Laiseh genießt. Ben Sabar ist sehr traurig. Nach der Ursache dieser Trauer befragt, schildert Ben Sabar seine Lage. Der Gastgeber tröstet seinen Freund. Nach fünf Tagen erscheint eine große Wolke, die das Haus des Schefifon umgibt. Die Schüler machen den Hausherrn auf diese Erscheinung aufmerksam. Da erscheint der Engel des Todes und verlangt sein Pfand. Der Hausherr weigert sich zweimal, seinen Freund auszuliefern. Da ertönt eine Tochterstimme. „Was kann ich tun angesichts dieser zwei Frommen? Wir bestimmen und diese lassen die Bestimmung nicht ausführen." Da wurden ihnen noch siebzig Jahre zu ihren Jahren hinzugefügt. Die Geschichte des R. Reuben hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Version der Tobitgeschichte imTanchuma1). Dort kommen folgende beachtenswerte Vorstellungen vor. Ein reicher Mann hat eine Tochter. Sie heiratete dreimal. Jedesmal starb der Bräutigam in der Brautnacht. Sie gelobte, niemals mehr zu heiraten, sondern als Witwe ihr Dasein zu fristen. Ihr Vater hatte einen Bruder, der in einer fernen Stadt lebte, sehr arm an weltlichen Gütern und reich an Kindern war. Sie ernährten sich recht kümmerlich von einem kleinen Holzhandel. Eines Tages konnten sie nichts verdienen und der älteste Sohn ging zu seinem reichen Onkel, wo er freudig aufgenommen wurde. Er freit um die Tochter seines Onkels, die ihm nach langer Weigerung versprochen wird. Es kommt zur Hochzeit, da erscheint der Prophet Elijah und gibt dem Bräutigam denselben Rat, den wir in der Erzählung von R. Reuben 1) ed. Frankfurt a. 0., p. 281 B—282 B in irwr?. 23*