Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 367)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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350 Marmorstein, Beitr. z. Religionsgesch. u. Volkskunde. Ähnlicher Art ist auch die zweite Schatzsage in unserer Sammlung. Ein Mann gräbt in seinem Hofe und findet einen Brunnen, auf welchem sich ein Stein befindet. Der Chasid entfernt den Stein und trägt ihn in sein Haus. Nach Tagen spricht der Stein zum Chasid: „Stelle mich an einen reinen Ort und ich werde dir zu großem Vermögen verhelfen". So geschah es auch. Er riet ihm, an einem bestimmten Orte zu warten. Dort stieß einem seiner Freunde ein Unglück zu, nämlich die schwer beladenen Esel fallen in eine Grube und der Chasid hilft ihm, und wird reichlich belohnt. Nach wenigen Tagen verlangt der Stein, daß der Chasid eine Lampe vor ihm brennen möge. Da erkannte er, daß der Stein ein Dämon sei. Trotz aller Bitten des Steines zerbrach ihn der Chasid und der Dämon mußte fliehen. Dafür belohnte Gott unsern Chasid. Im darauffolgenden Jahre grub er in seinem Hofe und fand einen Schatz. Hier hören wir von einem sprechenden Stein, in dem ein Dämon haust. Wir erwähnen ferner die Sage von R. Chanina ben Dosa, der zu den Wundermännern des jüdischen Altertums gehört (B.Taanith24b), und die Erzählung von Joseph dem Sabbathverehrer (B. Sabb. 119 a) und die Geschichte der Frau, die mehrere Kinder verloren hatte und in einem Brote drei Golddinare findet (Lev. r. 6, 2, pal. Schebiit 6, 6). Joseph Perl es hat in seinem noch immer sehr lehrreichen „Beiträge zur rabb. Sprach- und Sagenkunde", pp. 62 ff., 76ff. die Parallelstellen angegeben und ihren Einfluß auf die Tausend und eine Nachtsammlung nachgewiesen. Die Bagdader Sammlung enthält noch die Geschichte des Gärtners Joseph, der ebenfalls die Schätze seines Vaters wiederfindet (nr. 59). Schließlich sei noch auf die Schatzsagen hingewiesen, in welchen einem Träumenden ein Schatz unter einer Brücke gezeigt wird1). Zu den Schatzsagen gehört auch die Erzählung vom Chasid2), der immerwährend betete. Einmal kam der Prophet Elijahu und gab ihm vier Goldstücke. Mit diesen vier Goldstücken begann der Mann, reich zu werden. Zufolge seiner Reich- 1) s. die Literatur ZVW. 10, 432; 19, 286; 23, 187 f. 2) BEJ. XXXIII, 50 ff. nr. 3.