Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 365)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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348 Marmorstein, Beitr. z. Keligionsgesch. u. Volkskunde. klärte sein Vorgehen. Da ließ ihn Leviathan frei, lehrte ihn die siebzig Sprachen, die ganze Torah und setzte ihn aufs Festland. Er fiel ermattet auf einen Platz, wo zwei Raben standen. Sie verhandelten in ihrer Sprache, ob sie dem Manne die Augen auskratzen sollten oder nicht. Der jüngere machte sich daran, da fing ihn der Mann, der die Sprache der Vögel1) wohl verstand. Der junge Rabe schrie um Hilfe und der alte sagte: „Ich wünsche, du würdest meine Sprache verstehen und meinen Sohn freilassen. Steh auf und grabe an der Stelle, dort wirst du die Schätze des Königs Salomo wiederfinden". So geschah es auch. Zuletzt sei noch auf zwei Schatzsagen hingewiesen, die sich im Sepher ha-Maasijoth2) finden. In der ersten Erzählung handelt es sich um einen Frommen, der ein Feld besaß, in dem ein Johannisbaum plin) stand, der götzendienerischen Zwecken diente. Infolge der Ansammlung von Menschen erlitten die Früchte viel Schaden. Der Fromme beriet sich mit seiner Frau3). Sie beschließen den Baum abzuhauen. Der Fromme macht sich an die Ausführung dieses Vorhabens, da springt ein Dämon aus dem Baume hervor und bietet dem Frommen Geld an, damit er den Baum stehen lasse. Der Fromme willigt ein und findet täglich drei Goldstücke vor dem Baum. Er wird sehr reich, erwirbt Häuser, Höfe, Sklaven etc., weiß aber nicht, woher die Goldstücke kommen. Nach einiger Zeit sterben seine Söhne uud Sklaven, und der Mann kommt zudem Schlüsse: „Ich bin ein Sünder, denn meine Kinder und Sklaven sterben mir dahin!"4) Eines Tages ging der Fromme mit seiner Gattin, und sie beobachteten, wie sich die Leute dort belustigten, und handelten gleichfalls so. Später wollte der Fromme, da er kein 1) Uber die Kenntnis der Vogelsprache s. Beiträge im Jahrb. I, p. 318. 2) Bagdad (1892), nrr. 15 und 16. 3) Es sei hier auf diese charakteristische Erscheinung in den hebr. Erzählungen besonders hingewiesen. Die Frommen befragen ihre Frauen um Rat, s. oben p. 3, vgl. auch die Erzähluog in UEJ. 33, 50f. 4) Die auf diese Weise erworbenen Schätze verschwinden oder bringen Unglück, s. Ceane, The Exempla of Jaques of Vitry, nr. 66 und die Literatur dazu. Tod der Kinder ein Zeichen der Sündhaftigkeit, s. Maemoestein, Doctrine of Merits, p. 185 f.