Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 347

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 347 (sequence 364)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2638044-2638085-2638086--2841-2640215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Marmorstein, Beitr. z. Religionsgescli. u. Volkskunde. 347 mal erfreute er sich aber nicht der besten pekuniären Verhältnisse. Er war daher sehr traurig, als er die Gelehrten in Antiochien sah. Seine Frau, die noch mildtätiger gesinnt war als ihr Gatte, bemerkte diese Bestürzung und wollte den Grund wissen. Er sagte ihr ihn und sie riet ihm, die Hälfte des Feldes, das ihnen noch von ihrem ehemaligen Wohlstand geblieben, zu verkaufen. Abba Judan tat also und gibt das Geld den Schriftgelehrten. Eines Tages ackerte er auf dem unverkauften Felde, da spaltete sich der Boden und die Kuh stürzte in die Grube. Während Abba Judan sich bemühte, seine Kuh aus der Grube zu ziehen, bemerkte er einen Schatz und rief: ,,Zu meinem Vorteile hat meine Kuh ihren Fuß gebrochen." Wir haben hier ein Beispiel von einer Anekdotenreminiszenz im antiken Sprichwort. Dieselbe Erscheinung finden wir auch bei den Griechen und Römern1). Eine eigenartige Form der Schatzsagen hat uns das Alphabet des Siraciden2) aufbewahrt. Die Erzählung beabsichtigt den Satz Eccl. 11, l zu illustrieren: „Wirf dein Brot auf die Oberfläche des Wassers, denn im Verlauf vieler Tage wirst du es wieder bekommen". Ein Vater hielt strenge auf die Befolgung dieses Gebotes. Vor seinem Ableben trug er seinem Sohne auf, dieses Gebot wörtlich zu nehmen und treu zu befolgen. Derselbe nahm täglich ein Laib Brot und warf es ins Wasser. Da gab es einen Fisch, der sich dieses tägliche Brot aneignete, davon groß und stark wurde, so daß er die anderen Fische belästigte. Diese beklagten sich darauf beim Leviathan, der sich den Mann kommen ließ. Der Mann er- 1) s. J. Bernays, Uber das Phokylideische Gedicht, Breslau 1856 p. XXIII. Otto Crusius, Die Märchenremiscenzen im antiken Sprichwort, 1890, pp. 31, 47, vgl. auch „Faule Fische und Schläge" (Zunz, HB., H. 88, Dukes, Zur Sprachkunde, p. 2), die Erzählung des Sprichworts ist in der Mekh. 246 B zu finden. Zu beachten ist auch die Wandlung des Sprichwortes: „Der Esel hat die Lampe umgestürzt" in b. Sabbath 116», in der Geschichte des R. Gramaliel und seiner Schwester Imma Schalom, älter ist die Fassung in Sifre Num. § 131, pal. Joma I, 1, Lev. r. 21,9. Pes. ed. Buber 177a, die Erzählung selbst scheint aber jünger als R. Levi zu sein, vgl. Pesikta ed. Buber 122a, cf. Wright, Selections of Latin Stories from Mss. of the 13th and 14*k Centuries, p. 73. M. Sachs, Beiträge I, p. 60. 2) ed. Steinschneider, nr. 7.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.