Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 360)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation. 343 scheint überhaupt aussichtsreicher, daß der Funktion, d. h. dem Zusammenspiel seelischer und körperlicher Kräfte, der Mimik, der Muskelspannung, dem Blutgefäßdruck, der Entwicklung, gleichsam den Leitbahnen seelischer Kräfte, namentlich in der Rassenfrage eine viel größere Bedeutung zukommt, als man bisher angenommen hat." Hiergegen wendet sich Sandler in„Ost und West" 1906, „weil es in der europäischen Judenheit gewisse Kreise gibt, die solche Äußerungen mit Vorliebe als ,wissenschaftliches Rüstzeug' im Kampfe gegen lebendige Rassentatsachen benützen". Er erinnert zugleich gegen Schleich, daß die Juden heut „nicht mehr" Semiten sind. Bekanntlich waren sie es, nach Luschan, von Hause aus nicht. Auch Coudenhove-Kalergi, „Adel" S. 41 sagt mit seiner meisterhaften, epigrammatischen Präzision: „Je gemischter ein Volk, desto unmöglicher ist es, neue Einheitstypen zu konstruieren." „Dadurch, daß sie aus einer internationalen Religionsgemeinschaft, nicht aus einer lokalen Rasse hervorgegangen sind, sind die Juden das Volk der stärksten Blutmischung." Nur „der europäische Instinkt sträubt sich dagegen, das Judentum als Adelsrasse anzuerkennen." Der Adelsmensch der Zukunft wird eine Synthese aus Feudalismus und Judentum sein. In „Pan-Europa" (S. 140) sagt C.-K.: „Wie die Araber von Mohammed, so stammen die Chinesen von Konfuzius, die Juden von Moses ab. Ein Jude, der seinen Glauben verläßt, vollzieht damit den Austritt aus seiner Nation." „Die Nation ist ein Reich des Geistes." Aus der fast unübersehbaren einschlägigen Literatur seien noch erwähnt die Arbeiten von 0. Bauer (Nationalitätenfrage), Cunow (Marx'sche Staatsauffassung), K. Kenner, Sieger (Ztschr. f. Geopolitik 1924, 2. Heft), 0. Spann („Begriff der Nation* in „Geisteswissenschaften 1913") und die Verhandlungen des deutschen Soziologentages 1912.