Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 359)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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342 Grrunwald, Rasse, Yolk, Nation. haft übertreibend, kann man sagen: „Nie wäre Goethe ein Goethe geworden, wenn er nicht einst einen Apfel, Spargel oder eine Feige gegessen hätte, in denen noch Zellen eines Leonardo da Vinci oder Giordano Bruno waren." In der Richtung dieser Gedankenkette, die übrigens, nota bene, wenn sie, was Fachleute bestreiten, zu Rechte besteht, auch zu anderen bedeutsamen Gebieten (vergl. „Beerdigen oder Verbrennen?" im Frankfurter „Israelit", Mainz 1922) die Brücke bildet, liegt die Erwägung, welchen Einfluß das Zusammenwohnen einer Menschengruppe auf ihre körperliche und geistige Struktur ausübt. Durch die Nahrungsaufnahme gelangen Zellen Verstorbener in den Organismus der Überlebenden. Ein Prozeß, den übrigens der Ausspruch (Schabbat 113 b) streift: „Wer von der Erde Babyloniens ißt, ißt gewissermaßen von der irdischen Hülle seiner Vorfahren (nach Raschi, „die dort im Exil gestorben sind"). Nicht Blutsgemeinschaft, sondern Zellenverwandtschaft, nicht historische, sondern geographische Zusammenhänge, nicht Erdgeruch, sondern Bodenerzeugnisse schmieden somit eine Menschengruppe zu einer Einheit zusammen, die jedem Heimatgenossen, jedem Landsmann das gleiche Anrecht auf den heimatlichen Boden gibt. Vor der Heimat sind alle gleich, auf die auf dieser gemeinsamen physischen Grundlage erwachsenen Kultur hat jeder der gleichen Scholle Entsprossene gerechten Anspruch. Der Antisemitismus, die Ausschließung des Heimatsgenossen ist hienach ebenso wie Kastengeist und soziale Gegensätzlichkeit, nicht allein etwas Unreligiöses, Unmoralisches und Wider vernünftiges, sondern etwas Widernatürliches. Auch Spengler („Untergangdes Abendlandes") hält „eine feste Einteilung der Rassen für unmöglich". „Zuletzt hat jeder einzelne Mensch in jedem Augenblick seines Daseins seine eigene Rasse". Rasse ist Stil, Charakter, das „Aroma ist für die messende und wägende Wissenschaft unerreichbar". (Näheres s. in meinen Aufsätzen über ,,Das Judentum bei Oswald Spengler" im Philo-Verlag, Berlin. Ähnlich hatte bereits Schleich in Kirchhoffs Zeitschrift „Das Leben" über „Jüdische Rassenköpfe" geschrieben: „Es