Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 355)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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338 Grunwald, Rasse, Volk, Nation. wäre an einem solchen Deserteur sonst noch als jüdisch anzusprechen? Sollte er sich trotz des Austrittes noch immer seelisch mit seinen früheren Konfessionsgenossen verwandt fühlen dürfen, wie beschaffen hätten wir uns dann deren Psyche zu denken? Müßten wir nicht, da doch die Religion auch nach Kahn immerhin mit zum Judentume gehört, bei ihnen eine dem Abgefallenen kongeniale religiöse Anschauung voraussetzen? Oder behält er auch nach seiner Fahnenflucht noch immer die jüdische Nationalität, d. h. nach Kahn — und unserer Meinung — den Willen zu einem jüdischen Staatsverband? Nation ist, wie Kahn sagt, „Seelenrasse". Wie würde demnach, an einem solchen Abtrünnigen gemessen, die jüdische Nation ethisch abschneiden? Als Edelrasse dürfte sie hienach kaum zu bewerten sein. Denn selbst, gesetzt den seltenen Fall, daß der Austritt nicht aus materiellen, schmutzigen Gründen erfolgt, so verrät er doch unter jeder Bedingung Mangel an Solidaritätsgefühl, an einem Gemeinschaftsbewußtsein, das jedem Ehrenmann, seine Schicksalsgenossen in Zeiten der Not zu verlassen, strikt verbietet. Die Judenfrage durch Austritt individuell zu lösen, ist nicht besser, als die soziale Frage ad personam durch Raub und Diebstahl zu erledigen. Erinnert sei auch daran, daß Klatzkin („Probleme", S. 28) die Rassentheorie als Stütze zionistischer Theorien, Nordau („Paradoxe" S. 331ff.) sie als Kriterium der Nationalität ablehnt. Mieses, Zollschan, Auerbach. Zutreffend betont Mieses die Bedeutung des jüdischen Proselytentums und als Wesen der Nation die Staatsidee. Nur erinnert sein Allheilmittel, die allgemeine Annahme der englischen Sprache, zu deutlich an den Zustand der Menschheit bis zur Zerstörung des Turmes zu Babel. Vom biblischen Standpunkt aus erscheint als Kulturideal nicht „einerlei Sprache und einerlei Rede", sondern der Tag, an dem „der Ewige einzig sein wird und sein Name einzig". Zollschan erkennt gewisse jüdische Rasseinstinkte an. Ein vollwertiger Beweis für diese Annahme dürfte kaum zu erbringen sein. Die von ihren Vertretern bisher herangezogenen