Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 353)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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336 Grunwald, Rasse, Volk, Nation. sondern von Gleichberechtigung reden, ist noch heute trotz Genua keine Tatsache, sondern ein frommer Wunsch gewisser Kreise, keineswegs ein ernstes Desideratum der führenden Stimmen im Rate der Völker. Noch regiert absolut il sacro egoismo. Aber selbst Kautskys Parteigenossen haben sich noch immer — und im Kriege trat dies besonders scharf hervor — als „völkisch" und „patriotisch" gefühlt. Auch diese Internationale hat bisher ihre Spannkraft nur innerhalb bescheidener Grenzen bewährt. Ein Beweis, daß hier etwas Erdgebundenes, etwas Naturgemäßes zugrunde liegt, das sich durch kein Parteiprogramm wegdisputieren läßt. So wie, um ein Mosaik zu bilden, jedes Steinchen seinen Farbenton voll und rein bewahren muß, so wie im Konzert jedes Instrument seiner besonderen Partitur zu folgen hat, wie aber doch in beiden Fällen das Einfügen in das harmonische Ganze durch die ordnende Hand des Künstlers, der Zusammenschluß zu einheitlicher Leistung durch den Taktstock des Dirigenten Zweck und Sinn des Einzeldaseins ist, so hat auch ein jeder in dem Kreis, in den er hineingeboren ist, seine besonderen Pflichten gegen dessen Sonderart, die er mit auf die Welt bringt, zu erfüllen. Wie gegen die Familie, so gegen die weitere Abstammungsgemeinschaft. Er hat die ihrer und somit,seiner Art innewohnenden Kräfte und Anlagen zu entwickeln in Treue gegen seine Herkunft, so wie der Apfelbaum nie anderswoher als aus seiner Wurzel die Säfte ziehen kann, um seine Blüten und Früchte zu entfalten. So lange man in der realen Welt nur Apfel-, Birn- und Nußbäume, „den Baum" aber nur als Begriff, als Abstraktum kennt, so lange wird neben anderen völkerpsychologischen Besonderheiten das Judentum seine Daseinsberechtigung behaupten. Kautsky gegenüber besonders beachtenswert ist, was sein Parteigenosse Pernestorferim „Juden" (Jahrg. 1, S.308ff.) über jüdischen Nationalismus sagt. Goldstein. — Kahn. Vortrefflich ist Goldsteins Ätiologie und Brandmarkung des Rassenantisemitismus, zu dem den polaren Gegensatz die Gedanken der Bibel bilden.