Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 352)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation. 335 auch immer aus dieser Lösung sich Kristalle bilden, gleichviel, welcher Nation sich der Jude anschließt, seine anerzogene Rasse, sein jüdisches Volkstum, sollte ihn davor bewahren, was überpatriotische Juden Englands im Weltkriege getan haben, gegen irgendein Volk, vor allem das eigene jüdische, jede Regung der Menschlichkeit zu verleugnen. In seinen „Reden an die deutsche Nation" sieht Fichte den modernen Rechtsstaat für Deutschland voraus, „für Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschengesicht trägt". Daß er selbst die Juden davon ausnimmt, soll hier seiner Ideologie keinen Abbruch tun. Den Deutschen allein traut er den rechten Patriotismus zu. „Jeder andern Nation Patriotismus muß selbstisch, engherzig und feindselig gegen das übrige Menschengeschlecht ausfallen." Der jüdische Patriotismus muß nach unserer Vergangenheit diesem Ideal entsprechen. Menschlich auch im Nationalen, Patriot ohne Chauvinismus! Kritik der Literatur. Kautsky. An dem Leitfaden der hier gewonnenen Begriffsbestimmungen gelangen wir zu folgenden Urteilen über die eingangs angeführte einschlägige Literatur. In der Kritik der Rassentheorie kann man Kautsky in der Hauptsache beipflichten. Seine Kassandrarufe über die Aussichten des Zionismus aber erinnern daran, daß das Prophezeien ein undankbares Geschäft ist. Und wenn er die Juden zu energischer Beteiligung am Klassenkampfe des Proletariats auffordert, so legen wir den Nachdruck auf die Erhaltung des Rechtsstaates. Ablehnen müssen wir vollends seine Prognose, daß das Los des Judentums Selbstauflösung sei. Wir wollen nicht in seinen Fehler der Weissagerei verfallen, glauben aber — und die Geschichte der Juden spricht dafür —, daß das Judentum auch die gegenwärtige Krise überdauern und noch manchen künftigen Aufgaben gewachsen sein wird. Eine „Menschheit", das Ideal der Propheten, die aber — wohlgemerkt! — nicht von einer Verschmelzung, sondern von einer Versöhnung der Völker, nicht von Gleichmacherei,