Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 351)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Grunwald, Rasse, Volk, Nation. wird deutscher Dichter und preußischer Leutnant, während Friedrich der Große, der Sieger von Roßbach, französischer Literat und Bewunderer des gallischen Esprit bis an sein Lebensende bleibt. Der Bretone spricht von den Galliern als von „les autres Gaules4'. Die Schwarzenbergs und so viele andere Wahltschechen deutschen Namens und deutscher Herkunft waren Stützen und Führer der deutschfeindlichen Propaganda in Böhmen. Jesaja (19, 25) sieht eine Zeit kommen, in der Ägypten „das Volk Gottes sein" und hinter ihm erst an dritter Stelle Israel stehen wird. Unter Volk verstehen wir mithin die lockere Masse, die sich in der Nation organisiert und als solche im Staat1) in die Erscheinung tritt. An sich, ohne die Tendenz zur Nation, ist das Volk eine durch gewisse engere oder weitere, äußere oder innere Beziehungen unter sich verbundene Menschenmenge. Von einem „jüdischen Volk" — nicht einem „Volksgespenst", um mit Heine zu reden — kann jedenfalls mit mehr Recht gesprochen werden, als etwa von einem „katholischen Volk" oder auch von einem „jüdischen Stamm". Wir sind, wie die erwähnte Stelle im Jesaja weiter besagt, „das Erbe Gottes", d. h. mehr, als eine nur religiöse Gemeinschaft. Wir sind selbst dort, wo unser Zusammenhang unter uns ebenso wie mit den Traditionen unserer nationalen Vergangenheit ganz locker ist, wo sich nicht ethnographisch von einem „Volke" reden läßt, wie z. B. bei den Ostjuden oder den Sefaradim, als echte oder „adoptierte" (vgl. Psalm 2, 7) „Kinder Abrahams" und seine Bundeserben durch die, vielleicht nur im Unterbewußtsein wirksame Gemeinsamkeit der „anerzogenen Rasse" miteinander verbunden, mag auch die gemeinsame Abstammung noch so fraglich erscheinen. Wir fühlen uns als Gemeinschaft und empfinden gewisse sittliche Defekte, wie Hartherzigkeit und andere, instinktiv als Zeichen nicht jüdischer Herkunft. Wie 1) Obwohl die ganze Gesetzgebung der Thora auf eine Staatsverfassung zugeschnitten ist, findet sich, wie erklärlich, im Hebräischen kein Äquivalent für „Staat*. (Das Wort „Staat* erst seit Machiavelli in der wissenschaftlichen Literatur, vgl. Jellinek, Allg. Staatslehre 132.) „Medina", das dafür im Späthebräischen gebrauchte Wort, ist ursprünglich „ Gerichtsbezirk