Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 347)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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330 Grunwald, Rasse, Volk, Nation. positiven Kenntnisse, die wir von den Arten und Rassen der Tiere, namentlich der Säugetiere und insbesondere der Haustiere, besitzen, gewürdigt worden und abgewogen, oder hat das Gefühl, daß der Neger, besonders der geknechtete, von dem Europäer, dem Homo Japeticus Bory de Saint-Vincents, verschieden ist und ihm häßlich erscheint, oder vielleicht gar die Sehnsucht, ihn außer aller Ansprüche und Rechte des Europäers sich zu denken, zu dieser Ansicht geleitet? Ernste und kenntnisreiche Männer haben sich oft gegen sie mit allen zoologischen Gründen ausgesprochen, sie wird dennoch nicht so bald sich ganz verlieren, weil zoologische Gründe nicht auf alle Personen wirken, die in solchen Sachen eine Meinung haben zu können meinen." Leider hat die Folgezeit diese Voraussicht bestätigt. Nur hat der Wunsch, der Vater des Gedankens, von den Negern, als hier dem Haß und der Habgier das Feld abgegraben war, in der Judenhetze sich einen neuen Nährboden gewählt. Die Gefährlichkeit der Rassentheorie. Wir Juden sollten stets an den Spruch der Väter denken: „Wer ist weise?" „Wer sieht, was sich aus einer Sache entwickeln kann und im Entstehen die Folgen überblickt." Wir sind, was Caesar von den Galliern sagt: „novarum rerum cupidi", wir wollen sensationslüstern den Ereignissen vorauseilen. Jede Modetorheit, jede Blase, die der Strom der Tagesneuigkeiten aufwirft, nehmen wir für fixe Wahrheit, jede Talmiweisheit für bare Münze. Ohne Selbstachtung und Würde, ohne Selbsterkenntnis und losgelöst von den Quellen, aus denen wir zuverlässiges Urteil über unsere jüdische Art und Bestimmung schöpfen könnten und sollten, studieren wir unsere Züge in dem Vexierspiegel, den uns unsere Feinde vorhalten, lesen wir unsere Geschichte aus den Pamphlets des Judenhasses. Aus den Steinen, die man nach uns wirft, bauen wir, die einen den Altar unserer Selbstverachtung, die anderen die Wegzeichen unserer Selbstbestimmung. Wir sind, von den Wurzeln unserer historischen Entwicklung losgerissen, der leere Sack, der sich gierig mit jedem Plunder füllt, den die Tagesmeinung uns zuwirft. Wir schnappen nach jedem Köder