Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 346)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation, 329 Daß so, wie selbst in der freien Union der Nigger in der Tram von den Weißen geschieden wird, man den Juden als Paria von jeder Berührung mit der „Edelrasse" werde ausschließen wollen? Mußte nicht die Erinnerung an den gelben Fleck, den seine Ahnen getragen, den Juden davor warnen, die Barbarei des schwarzen Flecks zu unterstützen? Welche bittere Wahrheit predigt H. H. Ewers, wenn er von jenem Neger erzählt, der träumt, ein Jude zu sein, und beim Erwachen sich glücklich fühlt, daß dies nur ein böser Alp war! Diese Kurzsichtigkeit des Juden, der mit Steinen warf, ohne zu bedenken, daß er selbst im Glashause saß, konnte nicht greller illustriert werden als durch den Ausschluß der „Juden- und Farbigen - Stämmlinge" aus den deutschnationalen Studentenverbindungen, und der am schlagendsten korrigiert wurde durch die Aufschrift, die das jüdische Spital in Philadelphia trägt. Sie lautet: „Gewidmet den Kranken und Verwundeten, ohne Unterschied des Glaubens, der Farbe und der Nationalität." Auch daran sei erinnert, daß der Jude Cremieux als Minister mit einem Federstrich die farbigen Einwohner der französischen Kolonien zu Staatsbürgern erhoben hat. Und wenn man im Weltkriege, wie schon früher 1870/71, die verachteten Schwarzen als Kanonenfutter gebraucht hat, erinnert das nicht zu deutlich an die Regierungen, die — nicht nur der Zarismus — von den „lieben Juden" das Blutopfer fürs Vaterland forderten, um dann „nach Tische anders zu lesen" und ihnen den beliebten Fußtritt zu versetzen? Muß man dem Juden erst eine Brille aufsetzen, muß man ihm erst ein Hörrohr ans Ohr halten, um ihm zum Bewußtsein zubringen, . daß das, was irgendwo und irgendwann zur Entrechtung irgendeiner Menschengruppe ins Treffen geführt wird, nur ein Vorspiel zum Angriff auf ihn allein bedeutet, dem man unbesehen und um jeden Preis alles, was schlecht und böse in der Welt ist, aufs Kerbholz schreibt, und dem man, wie Stettenheim einmal sagt, selbst die römische Nase krumm nimmt? Gegen die Sklavenplantagen hat seinerzeit der besonnene K. E. von Baer als berufener Fachmann die denkwürdigen Worte niedergeschrieben: „Sind bei Aufstellung der Ansicht, das Menschengeschlecht bestehe aus mehreren Arten, die