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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 331

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 331 (sequence 348)
Language
German
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation. 331 und gehen in jede Falle. Kein Rattenfänger läßt seine Flöte hören, ohne daß Juden sich unter die ersten Nachläufer drängen. Der Darwinismus, die Häckelei, alles, was den Menschen vor das Forum des Pferdezüchters zerrt, ein Sombart, ein Chamberlain, die der Wahrheit Hohn sprechen, um mit diesem Hohn uns Juden zu treffen, sie gelten uns Juden als unfehlbare Offenbarung. Unsere Zeitungen kanonisieren sie, Bannerträger der Jugendbewegung machen sich zu Aposteln dieses Evangeliums, five o'clock-Geistreichlinge pomadisieren sich mit diesen up to date-Salben. Der Herostraten-Ruhm eines Weininger läßt sie nicht schlafen. Wir führen absichtlich nicht Nietzsche an, aus derselben Rücksicht der Dankbarkeit, mit der wir Ernest Renan über seinen haltlosen Phantasien über die jüdische Religion nicht, was er uns Treffliches geleistet, vergessen dürfen. Unsere jüdischen Nietzsche-Anbeter sollten von ihrem Meister doch auch das annehmen, was er von den Juden als „dem ethischen Genie unter den Völkern sagt," und bedenken, daß er es war, der vor allem die „Maxime" aufgestellt hat, die wir auf Juden wie Nichtjuden anwenden sollten: „Mit keinem Menschen umgehen, der an dem verlogenen Rassenschwindel Anteil hat." Wie leicht sind wir auf diesen Schwindel der Blutauslese hineingefallen! Wie blind waren wir, daß wir in ihm nicht auf den ersten Blick, als einem modernen Blutmärchen, den leiblichen Bruder jener alten Blutfabel erkannten, die wir mit Strömen unseres jüdischen Blutes illustrieren mußten! Nur daß diese jüngste Höllenausgeburt ungleich gefährlicher ist. Nicht" nur darum, weil sie zeitgemäß das theologische mit dem naturwissenschaftlichen Mäntelchen vertauscht hat, sondern weil sich hier der Wolf ins Lammfell hüllt, um statt uns anzuklagen, uns zu beklagen, daß wir doch gar nichts für unsere Laster können, da sie uns im Blute stecken, mit uns, ob wir wollen oder nicht, geboren und begraben werden. Das ist kein Schandfleck, den uns Gerechtigkeit vom Kleide reißen, das ist kein Makel, den Tauf wasser von unserem Leibe zu waschen vermag. Das ist ein Fatum, dem keiner von uns entrinnen und das nur mit dem letzten Juden schwinden kann.

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