Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 1924-1925
- Issue
- Jahrbuch (1924-1925)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 335)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Grunwald, Rasse, Volk, Nation. 319 sische Periode, auf das jüdische Altertum, auf jene Zeit zurückgehen, in der der jüdische Gedanke eine so vollkommene Ausprägung erreicht hat, daß sie in der Erinnerung seiner Träger als Ideal und ihre Wiederkehr als Ziel der Sehnsucht erscheint. Es ist die Regierungszeit Davids. Mag die moderne Kritik auch manches in der biblischen Darstellung dieses Entwicklungsgipfels als idealisierende, tendenziöse, retrospektive Geschäftskonstruktion bezeichnen, zweifellos traf in jenem Glanzzeitalter alles zusammen, was als Kriterium jüdischer Art gelten darf. Äußerlich war die von David regierte Gesamtheit abgegrenzt als selbständiger Staat. Den Hauptbestandteil dieses Davidischen Reiches bildete das Land Israel mit der Sprache Kanaans. Das Volk unter dem Zepter Davids war nicht eines und desselben Ursprungs, einheitlich aber war der Staatsgedanke. Er deckte sich mit der Idee einer Vormacht des Monotheismus. Außer dem politischen Moment der Staatszugehörigkeit und dem ethnographischen der gemeinsamen Sprache bildete das Bindemittel dieser Gruppe nicht Blutsgemeinschaft, auch nicht ein Blutbund der Genossen untereinander, sondern ein gemeinsamer Bund mit der Gottheit, der zugleich die Gleichheit aller vor Gott und dem Gesetz statuierte. Das Zeichen dieses Bundes, die Beschneidung, ist das Mittel der politischen Option, zugleich aber auch eirer gentilen Adoption. Der in diesen Bund Aufgenommene ist damit ein „Sohn Abrahams" geworden. Diese Bundesschließung löst, ähnlich wie in Rom die Adoption, die Frage der Volkszugehörigkeit von dem Zufall der Geburt ab und durchbricht das Prinzip der Rassegebundenheit. Insofern kommt sie dem Gedanken des modernen Staates nahe. War und ist noch die Beschneidung bei anderen Völkern ein rein kultisches Symbol, bei den Juden wurde sie zu einem Merkmal, das nach Analogie anderer Völker als das nationale sich bezeichnen ließe, wenn nicht, im Unterschied zu anderen Nationalitäten, in diesem Zeichen eines Bundes, der nichts weniger als exklusiv ist, schon ein I n t e r - oder, wenn man will, Übernationalismus ausgesprochen wäre. Jedenfalls ist die Bundesschließung die unerläßliche Vorbedingung zur Teilnahme am nationalen Kultus, der niemals zu