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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1924-01-01 · Jahrbuch (1924-1925) · p. Seite 320

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
1924-1925
Issue
Jahrbuch (1924-1925)
Date
1924-01-01
Page
Seite 320 (sequence 336)
Language
German
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320 Grunwald, Kasse, Volk, Nation. einem Kultus des Nationalen ausartete, schon darum, weil er einer übernationalen Gottheit galt. Innere Kennzeichen: Palästinatreue. Soviel der äußeren Momente des jüdischen Volkstums in alter Zeit: Land und Staat, Sprache und Stamm oder — genauer — Bundesgenossenschaft, Gemeinschaft im Bunde Abrahams. Nation und Kultgemeinde deckten sich. Was, außerhalb dieser Nationalität stehend, das Land bewohnte, was nicht „Volk Gottes" war, war eben einfach nur „Volk des Landes", d. h. „Volk" im Sinne der Bewohnerschaft eines und desselben Bodens, in diesem besonderen Sinne „Am haarez". Man konnte scheiden zwischen einer israelitischen Kultusnation — daher der Ausdruck „israelitische Nation" in der Aufschrift des früheren Wiener jüdischen Spitals („Krankenhaus, für die leidende Menschheit von der hiesigen israelitischen Nation erbaut 1793") nicht ganz unberechtigt — und Palästinensern schlechthin. Während somit äußerlich, wenn schon das Wort Rasse gebraucht werden soll, die Juden, fast möchte man sagen, eine Weltmischrasse darstellen, die sie zum Kosmopolitismus zu prädestinieren scheint, hat sich frühzeitig aus der Kultusgenossenschaft eine Kultusgemeinschaft, eine „anerzogene Rasse" (Rohmer) entwickelt. Erinnert doch schon das Signum und Insignum dieser Gemeinschaft, die Mila, an den ursprünglichen Sinn aller Kultur, an die Pflanzenkultur, die ja oft gleichfalls durch Beschneidung (!) der wilden Schößlinge herbeigeführt wird. Vielleicht liegt eine Anspielung hier auf den Vergleich des aus Ägypten nach Kanaan verpflanzten Israel mit einem kultivierten Weinstock zugrunde (Psalm 80, 9). In der Tat sollte ja mit dem Auszug aus Ägypten für Israel ein neuer Abschnitt in seiner Geschichte und Kulturentwicklung beginnen und der Zusammenhang mit der „Kultur" Mizraims mit seinem Kastengeist, der in seinen Wirkungen dem Rassenwahn gleichkommt, der „Cherpath Mizraim", wie Josua (5, 9) sie brandmarkt, und ihren Begleiterscheinungen (3. Mose 18, 3; 5. Mose 7,15) durchschnitten werden. Wie eine solche Gemeinschaft der Religion mit ihrem gerade im Judentum durchgreifenden

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